Nach knapp 3 Jahren kommt der sehnlichst erwartete Nachfolger des ungemein populären Arcade-Renners Project Gotham Racing 2. Das Spiel wurde leider nie von uns getestet. Hätten wir aber die Zeit und Lust gehabt, ein Review zu schreiben, dann hätte die Wertung eine glatte 10 betragen. PGR3 muss sich also mächtig ins Zeug legen, um den Vorgänger zu toppen. Grafisch wird ihm das mühelos gelingen, denn es kommt auf einer NextGen-Konsole heraus und man erwartet einfach, dass es wesentlich atemberaubender aussieht als der Vorgänger.
Grafik
Die Grafik fällt natürlich jedem sofort auf. Was man hier zu sehen bekommt, ist schlicht eine Wucht. Die Autos glänzen im Sonnenlicht oder werden effektvoll von Leuchtreklame bei Nacht bestrahlt. Sieht man sich die Fahrzeuge aus der Nähe an, dann weiß man, dass man auf einer Konsole der nächsten Generation spielt. Noch nie wurden Autos mit derart vielen Details Innen und Außen gesichtet. Zwar sehen die Fahrzeuge etwas steril aus, weil sie nicht schmutzig werden und immer glänzen und effektvoll die Umgebung spiegeln, aber dies tun sie wahrlich prachtvoll. Neu im Spiel findet sich eine Cockpitperspektive samt Rück - und Innenspiegel, die den Blick auf detaillierte Armaturen frei gibt. Während des Rennens sieht man dann kleine Schmutzflecke auf der Windschutzscheibe und ist ein weiteres Mal begeistert von der Präsentation. Das optische Schadensmodell wurde leider noch weiter reduziert. Von einigen kleinen Dellen und Lackkratzer abgesehen, sind die Autos nahezu unzerstörbar.
Die Städte, die als Austragungsorte der Rennen dienen, sind fast ebenso beeindruckend. Zwar erreichen die Gebäude nicht die Detailfülle, wie sie vor einigen Monaten auf ausgewählten Screenshots präsentiert wurden, doch auch das Gebotene weiß zu begeistern. Die Städte sind ungemein detailliert. Kein Gebäude gleicht dem Anderen, Schilder und Plakate auf den Gebäuden sind klar erkennbar und nicht wie bisher eine matschige Tapete. Abseits der Strecken entdeckt man immer wieder neue Details wie Statuen, Springbrunnen oder kleine Parks. Als Austragungsort hat man die Wahl zwischen New York, Las Vegas, Tokio, London und dem Nürburgring. Die einzelnen Kurse sind recht vielfältig und herausfordernd. Die einzelnen Strecken sind allerdings nicht immer so verschieden wie man sich das wünschen würde. Leider fehlen Fahrten bei Regen gänzlich. Man hat nur die Wahl zwischen Bewölkung, Sonnenschein und Nacht.
Oft wurde am Vorgänger bemängelt, dass Zuschauer am Streckenrand fehlten. Dies wurde nun behoben. Fast überall wimmelt es von jubelnden und fotografierenden Zuschauern. Knallt man in die Mauer, springen sie erschrocken zurück. Nicht jeder von ihnen ist individuell, aber sie passen gut zum geschehen und sorgen für eine gute Atmosphäre.
Als besonders Goodie wurde der Foto-Modus angepriesen. Es ist in der Tat auch sehr beeindruckend, wenn man jederzeit das Rennen anhalten kann, um mit einer virtuellen Kamera um das Auto oder die Strecke zu fliegen und dann ein schönes Bild seines Boliden schießen zu können. Leider kann man mit den Bildern nichts anfangen. Man kann sie weder verschicken noch auf ein Speichermedium übertragen, um sie jemandem zu zeigen. Für eine angebliche Multimedia-Konsole ist das sehr schwach.
Sound
Sie brüllen schon mächtig, die Motoren. Angeblich wurde der authentische "Soundtrack" jedes einzelnen Autos aufgenommen. Der Sound der Fahrzeuge ist vielleicht nicht so wegweisend wie die Grafik, aber er passt sehr gut zu den einzelnen Boliden. Der Soundtrack ist mit seiner ungewöhnlichen Auswahl sehr interessant. Neben eher rockigen Stücken findet man indischen Techno und, ungewohnt aber brillant, Klassik vom Feinsten. Nach einer anfänglichen Verwunderung stellt man fest, dass auch Klassik perfekt zu einem Rennspiel passen kann. Wem der Soundtrack partout nicht zusagt, der kann problemlos seine eigene Musik hinzuschalten.
Kudos und Kohle
Kudos, die virtuelle Währung des Spiels, sind leider nicht mehr so wichtig wie bisher. Für gewagte Manöver oder für saubere Rennen bekommt man Kudos. Doch im Gegensatz zum Vorgänger bekommt man neben den Kudos nun auch Geld. Und nur das Geld entscheidet darüber, ob man sich ein besseres Auto leisten kann. Die Kudos sind eigentlich nur noch für einige Wettbewerbe wie Driftversuch und Slalom wichtig, weil man dort eine bestimmte Anzahl dieser benötigt, um Erfolge feiern zu können.
Noch immer darf man selbst entscheiden, welchen Schwierigkeitsgrad man für seine Karriere wählt. Dazu entscheidet man sich zwischen diversen Medaillen, die den Schwierigkeitsgrad repräsentieren. Stahl und Bronze sind derart einfach, dass man getrost eine Pizza beim Fahren vertilgen kann. Erst bei Gold und Platin trennt sich die Spreu vom Weizen. Zwar ist der Schwierigkeitsgrad bei diesen beiden Schwierigkeitsgraden nicht mehr so unglaublich hoch wie im Vorgänger, aber unerfahrene Spieler werden hier dennoch teilweise viel zu knabbern haben.
Das Leben fängt bei 270 km/h an
Dies ist das Motto, das von den Entwicklern zu PGR3 ausgegeben worden ist. Das bedeutet, dass jedes Auto im Spiel mindestens diese Höchstgeschwindigkeit erreicht. Dieses Motto ist Blödsinn. Ein solches Motto ist vielleicht nett gemeint, aber es hat den Anschein, dass es nur das Fehlen von langsameren Fahrzeugen kaschieren soll, die rein aus Zeitgründen nicht mehr ins Spiel eingebaut werden konnten. Waren im Vorgänger noch diverse kleinere Klassen wie Oldtimer oder amerikanische Boliden vertreten, muss man sich nun mit sehr schnellen Autos begnügen. Die machen zwar Spaß, aber das Fehlen langsamer Autos ist eindeutig negativ, weil es die Vielfalt und die Herausforderung, sich auf immer neue Fahrzeuge einzustellen, stark mindert. In PGR2 hat es oft schlicht Spaß gemacht, mit Oldtimern oder Mittelklassefahrzeugen über die Pisten zu tuckern. Manche dieser Fahrzeuge erreichten nicht einmal 200 km/h als Spitzengeschwindigkeit. Aber eben das war die Vielfalt von PGR2. Zudem musste man sich im Laufe der Karriere von den kleinsten zu den größten Autos durcharbeiten. Es war sehr motivierend und auch herausfordernd, immer weiter zu kommen, weil man die nächste Klasse erreichen wollte. In PGR3 muss man nicht einmal mehr das Auto wechseln. Während der gesamten Kariere darf man ein einziges Auto verwenden. Das ist vielleicht für Spieler sehr gut, die sich nicht gern beim Fahrverhalten immer wieder neu einstellen wollen. Dadurch wird aber auch die Herausforderung an den Spieler geringer. Hinzu kommt, dass die Unterteilung aller Fahrzeuge in gerade fünf Klassen nicht sehr viel Spielraum für Variationen lässt. Sie unterscheiden sich nicht so sehr wie im Vorgänger. Grob gesagt gibt es nur noch Autos, die "Sehr schnell" oder "Irre schnell" sind. Einige wenige Autos darf man erst im Laufe des Wettbewerbs freischalten und kaufen, doch eine richtige Motivation, sie zu kaufen, gibt es eigentlich nicht, denn man kann ja das gesamte Spiel mit einem einzigen Autos durchspielen.
Online Eine Welt voller Vollidioten
Eine wesentliche Komponente des Spiels ist die Online Karriere. Sie funktioniert ähnlich wie die Spielevermittlung bei Halo 2. Mit dem Unterschied, dass man nicht mit Freunden spielen kann, sondern vom System je nach Rang und gewählter Kategorie in ein passendes Spiel geworfen wird. Das heißt, dass man immer allein mit Unbekannten spielt. Das kann durchaus seinen Reiz haben. Wer sich jedoch leicht über unfaire Spieler aufregt, sollte eine große Menge Baldrian reinwerfen oder gleich einen großen Bogen um diesen Spielmodus machen. Selten hat man so viele Vollidioten auf einem Fleck gesehen wie hier. Oft erinnert das Spiel an eine Art Burnout ohne Explosionen. Hier herrscht ein Geschubse und Gedränge, dass einem leicht die Tränen kommen. Es scheint, dass alle rücksichtslosen Chaoten nun plötzlich PGR3 spielen. Jeder will um jeden Preis gewinnen. Wer das Pech hat, von der ersten Startposition loszufahren, kann sich meist sicher sein, dass er in der ersten Kurve von mindestens vier weiteren Spielern in die Leitplanken gedrückt wird. Ein Sieg ist reine Glückssache. Etwas ziviler geht es in den Rennen zu, die für nur vier Fahrer ausgelegt sind. Spaß macht diese Art der Karriere dennoch. Man darf sich nur nicht über jeden Rempler aufregen und öfter einfach mal zurückstecken. Auch hier gilt jedoch, dass diese Online Karriere beim Umfang eindeutig zu wenig bietet. Zwar gibt es diverse Wettbewerbe, aber bei diesen sind nicht alle Autoklassen zugelassen. Bei den meisten hat man nur die Wahl aus einer oder maximal zwei Klassen und nur wenigen der vorhandenen Strecken, was mit der Zeit leider die Vielfalt sehr stark einschränkt.
Die so genannten Spaß-Spiele abseits der Online-Karriere bieten einige neue Spielmodi. So kann man beispielsweise als Team über die Strecke flitzen und versuchen, in einzelnen Streckenabschnitten die Bestzeit für sein Team zu ergattern. Findet man keine menschlichen Mitspieler, kann man vom Computer gesteuerte Kontrahenten hinzuschalten. Leider muss man als Host diese etwas mühsam per Hand wieder entfernen, wenn ein Freund einen der belegten Plätze beansprucht.
Gotham TV
Eine interessante Neuerung ist Gotham TV. Hierbei haben bis zu 30 000 Zuschauer die Möglichkeit, direkt in ein Spiel einzusteigen und wie bei einer Fernsehübertragung anderen Spielern zuzusehen. Dieses Feature funktioniert auch erstaunlich gut. Während des Rennens kann man die einzelnen Fahrzeuge wechseln und auch mal auf dem Fahrersitz Platz nehmen und das Rennen aus der Perspektive des Fahrers erleben. Theoretisch soll das auch mit den Rennen von Freunden funktionieren. Hin und wieder informiert einen ein Newsticker darüber, dass man jemanden aus der eigenen Freundesliste auf Gotham TV sehen kann. Doch der entsprechende Knopf "Freundeskanal" funktioniert einfach nicht. Dieser Button ruft nur die Freundesliste auf. Nicht mehr, nicht weniger. Stattdessen muss man sich recht mühsam durch Listen im "Heldenkanal" wühlen, um mit Glück den entsprechenden Freund zu finden.
Was fehlt
Leider wird einem schnell klar, dass das Spiel viele Dinge vermissen lässt, die entweder selbstverständlich sind oder sich im Vorgänger bewährt haben. Viele davon sind Kleinigkeiten und Spieler, die den Vorgänger nicht kennen, werden sie auch nicht vermissen. Doch Freunde von Project Gotham Racing 2 vermissen sie umso mehr, weil sie das Salz in der Suppe sind.
Hier nur eine kleine, unvollständige, Aufzählung:
In einem Online-Spiel sieht man nicht, wer gerade spricht, weil die entsprechenden Symbole fehlen. Das ist mit Freunden nicht weiter schlimm, aber wenn man mit Unbekannten spielt, ist es ein unnötiger Fehler. So muss man stets nachfragen, wer da gerade etwas gesagt hat.
Während und nach den Rennen werden keine Rundenzeiten, keine Endzeiten und auch nicht die erreichten Kudos angezeigt. So hat man keine Übersicht über die erreichten Erfolge der Mitspieler.
Es gibt keine Anzeige, wie viele Gegner im aktuellen Rennen mitfahren.
Es gibt keine Anzeige, wer vor einem oder hinter einem fährt.
Hat ein Freund ein privates Spiel nur für Freunde erstellt, gibt es für die Freunde keine Möglichkeit, dieser Lobby beizutreten. Man muss mit einer Nachricht auf sich aufmerksam machen und sich einladen lassen. Das ist dumm und unnötig.
Die einzelnen Fahrzeuge haben keinen Tageskilometerzähler mehr.
Hat man ein Spiel gestartet und kommt kurz nach dem Start noch ein weiterer Spieler hinzu, dann konnte man im Vorgänger ohne Probleme geschlossen wieder zur Lobby zurückkehren, um das Spiel gemeinsam neu zu starten. Das geht dummerweise nicht mehr. Es gibt nur noch die Möglichkeit, das Spiel komplett abzubrechen.
Die Spoiler an den Fahrzeugen fahren nicht mehr aus oder ein.
Fazit
Wer PGR2 nicht kennt oder es nicht intensiv gespielt hat, wird nicht viel vermissen. Für den ist PGR3 ein sehr gutes Spiel. Das ist es zweifellos auch. Doch dieses Spiel, das Zugpferd der neuen Konsole, muss sich einem direkten Vergleich mit seinem Vorgänger stellen. Und hier ist es eindeutig unterlegen. Selbstverständlich nicht bei der grafischen Präsentation, sondern bei der Vielfalt, der Abwechslung und den vielen Kleinigkeiten, die den Vorgänger zu einem solch perfekten Rundum-Paket gemacht haben. Ist die anfängliche Euphorie über die grandiose Grafik verflogen und kehrt der Spieleralltag ein, dann merkt man schnell, dass das Spiel unter einem riesigen Zeitdruck entstanden ist, um es auf alle Fälle zum Start der Xbox 360 auf den Markt zu werfen. Es ist schlicht nicht fertig. Dieses Spiel wird die Gemeinde sicher nicht über drei Jahre an den Bildschirm fesseln wie es beim mehr als genialen Vorgänger der Fall war.
Ob die Entwickler etwas an den Fehlern mit einem Patch ausbessern werden, weiß noch niemand. In der Vergangenheit war Bizzare Creations nicht gerade ein Vorbild für prompte Lieferung von Updates oder Download-Contents.
Übrigens, die Autos haben keine Hupen mehr...