Die Achse des Bösen
Der Spieler übernimmt also die Rolle eines solchen Söldners. Zu Anfang entscheidet man sich für einen von drei Charakteren. Die Unterschiede dieser Spielfiguren sind nicht so groß, dass man das Spiel mit jedem von ihnen komplett durchspielen und etwas Neues erleben könnte. Einer kann besonders viele Treffer einstecken, einer ist sehr schnell zu Fuß unterwegs und die Lady des Trios kann sich leichter an Zielpersonen anschleichen.
Deck of 52
Hauptziel des Spiels ist die Ergreifung des so genannten "Deck of 52". Die Schurken, die dingfest gemacht werden müssen, werden als Kartenspiel dargestellt. Man erinnert sich an diese Vorgehensweise aus dem Irak-Krieg. Saddam Hussein war dabei die Karte mit der höchsten Priorität. Bei Mercenaries ist dies General Song. Das ist makaber und zynisch. Aber zimperlich geht es im gesamten Spiel nicht gerade zu. Dead or Alive. Erwischt man einen der Schurken lebend, dann winkt ein doppelt so hohes Kopfgeld. Sollte er sich zu entschieden seiner Verhaftung widersetzen, liefert man ihn eben in einem Leichensack bei den Auftraggebern ab. Das Abliefern der lebenden "Ware" hat den Nachteil, dass der Gefangene per Hubschrauber ausgeflogen werden muss. Damit dieser Hubschrauber landen kann, muss man umkämpfte Gebiete erst verlassen und sich, mit dem Gefangenen über der Schulter, ein ruhiges Plätzchen suchen.
Die Achse der Blöden
Es wimmelt in Mercenaries teilweise nur so von Gegnern, Freunden und anderen Charakteren. Sie alle reagieren in irgendeiner Art und Weise auf die Aktionen oder die Anwesenheit des Spielers. Harmlose Zivilisten lassen sich meist nicht weiter von unserem Treiben stören. Wenn man in ihrer Nähe herumballert, dann ergreifen sie einfach die Flucht - oder schimpfen einen aus und nehmen anschließend die Beine in die Hand. Die zahlreichen Gegner sind da schon aus einem anderen Holz geschnitzt. Sie sind teilweise störrisch wie Maultiere, hinterhältig und leider zuweilen auch dumm wie hirnlose Roboter. Schaltet man einen Gegner per Scharfschützengewehr aus großer Entfernung aus, dann kann man oft beobachten, dass seine Kameraden, die direkt daneben stehen, einfach weiter ihren Dienst versehen als wäre nichts geschehen. Immerhin sollte man annehmen, dass etwas nicht stimmt, wenn jemand neben einem tot zusammenbricht. Andererseits wird man von diesen Trotteln aber schon auf mehrere Meilen "gerochen" und anschließend gnadenlos verfolgt bis eine von beiden Seiten nicht mehr am Leben ist. Die Gegner scheuen auch vor dem Einsatz von schwerem Gerät nicht zurück. Haben sie einen Panzer zur Verfügung, dann verfolgen sie einen gern auch damit. Haben sie einen Raketenwerfer parat, dann schießen sie eben damit. Und haben sie Hubschrauber, dann wird man oft solange aus der Luft beschossen bis man das virtuelle Leben ausgehaucht hat.
Das Überleben in Nordkorea ist wahrlich kein Zuckerschlecken.
Zwischen den Fronten
Als Söldner wird man anfangs nur toleriert. Niemand mag einen, aber man wird geduldet. Schließlich nimmt man der Koalition die schmutzige Arbeit ab. So kann man mehr oder weniger ungestört an seine "Arbeit" gehen. Es ist sogar möglich, sich die Fahrzeuge seiner Auftraggeber und deren Verbündeten unter den Nagel zu reißen. Mehr noch: hat man einen Geländewagen mit montiertem Maschinengewehr bestiegen, kann man in der Nähe stehende Truppen auffordern, am Geschütz oder dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. Diese Soldaten sind zwar recht bemüht und ballern auch munter drauflos, aber eine wirklich große Hilfe sind sie eigentlich nicht. Kommt man am Einsatzort an, sollte man sich nicht auf diese Unterstützung verlassen.
Früher oder später wird man sich entscheiden müssen, eine Seite gegen sich aufzubringen. Die Nordkoreanischen Truppen nehmen einen immer unter Feuer, wenn man sich in den von ihnen kontrollierten gebieten blicken lässt. Hinzu kommt, durch die Aufgabenstellung bedingt, dass mindestens eine weitere Seite einen nicht mehr zum Picknick einlädt. Nimmt man beispielsweise einen Auftrag der russischen Mafia an, dann muss man damit rechnen, unliebsame Personen aus dem Weg räumen oder etwas höchst illegales schmuggeln zu müssen. Solche Aktionen richten sich immer gegen eine der anderen Parteien. Umgekehrt könnten die Südkoreaner einen auch mit der Inhaftierung von Mafiabossen beauftragen. Somit hätte man keine guten Karten mehr bei den Russen.
So ist man also stets irgendwie im Kampf gegen mindestens zwei Nationen. Oder man versucht wenigstens, Ihnen aus dem Weg zu gehen.
Schlimm wird es, wenn man im Umgang mit Raketen, Sprengstoffen oder Panzern unachtsam ist und Angehörige von Verbündeten tötet. Diese fackeln dann nicht lange und nehmen einen umgehend unter Beschuss. Dass man dann im Kampf gegen mindestens drei Parteien nicht mehr viel zu lachen hat, wird einem schnell klar.
Die Missionen
General Song und seine Handlanger ergreifen. Aufträge für die russische Mafia, die Südkoreaner, die UN und die Chinesen erfüllen. Bonusgegenstände und versteckte Plätze finden. Das Spektrum an zu erfüllenden Aufgaben in Mercenaries ist riesig und wird den Spieler über Wochen beschäftigen. Die Missionen selbst sind recht vielfältig. Mal muss man einen Konvoi von Tanklastwagen stoppen. Mal muss man Schmuggelgut mit einem Hubschrauber transportieren, unliebsame Personen eliminieren, Raketenstellungen sabotieren oder einfach nur den Taxifahrer für einen neugierigen Journalisten spielen. Keine Aufgabe gleicht der anderen und von Mission zu Mission steigt der Schwierigkeitsgrad. Befindet man sich auf einer Mission, kann man vom Auftraggeber oft Unterstützung bekommen, indem man Ausrüstungsgegenstände, Waffen oder Fahrzeuge per Hubschrauber anfordert. Prompt wird alles auf dem Luftwege an den Einsatzort geliefert. Hin und wieder kann man auch einen handfesten Luftschlag ordern, der dann alles in der Nähe in Schutt und Asche legt. All diese Unterstützung kann man auch außerhalb der eigentlichen Missionen bekommen. Man muss dafür allerdings eine Unmenge an Geld auf den Tisch legen. Entdeckt man beispielsweise eine versteckt in den Bergen liegende Truppe von Feinden, kann man sie durch ein "Gunship" unter Beschuss nehmen lassen. Das kostet zwar sehr viel Geld, ist aber auch wesentlich sicherer als ein Frontalangriff zu Fuß.
Das Arsenal an Handfeuerwaffen in diesem Spiel ist nicht besonders groß. Raketenwerfer, Sniper-Gewehr, Maschinenpistolen. Man kann hier nicht wirklich aus dem Vollen schöpfen. Dieses Manko wird durch den Einsatz von diverses Panzern, Lastwagen, Bussen, PKW und Hubschraubern wieder wett gemacht. Auch stationäre Geschütze lassen sich zur Abwehr der zahlreichen Feinde benutzen
Ähnlich wie in GTA kann man auch in Mercenaries einfach durch die Gegend schlendern oder fahren und die sehr große Karte erkunden. Abseits der Straßen lauern nicht nur zahlreiche Gefahren durch zunächst nicht sichtbare Truppen, sondern auch Bonusgegenstände, Hubschrauber oder Panzer, die man sich allesamt unter den Nagel reißen kann. Jeder fahrbare Untersatz, ob zu Lande oder in der Luft, kann bestiegen werden. Sollte bereits jemand darin sitzen, dann wird er unter Zuhilfenahme von Granaten unsanft nach Draußen befördert. In einem russischen Panzer ist man wesentlich geschützter als in einem Zivilfahrzeug. Abgesehen davon, dass dieser Panzer über eine schlagkräftige Kanone verfügt.
Grafik und Sound
Die Sprecher in der englischen Version sind einfach "cool". Der Protagonist und auch seine Auftraggeber sind authentisch und stimmig synchronisiert. Während der Einsätze ist die Spielfigur jedoch sehr wortkarg. Die ausländischen Soldaten sprechen und fluchen alle in ihrer Landessprache.
Der orchestrale Soundtrack ist überragend. Von schnellen Rhythmen bis zu verträumten, langsamen Melodien vermittelt die Musik eine sehr gute Atmosphäre, die durch druckvolle Soundeffekte unterstützt wird.
Die eigentlich sehr gute Grafik stößt während der Flugeinlagen schnell an ihre Grenzen. Das Nordkorea von Mercenaries vermittelt eine eher düstere Atmosphäre. Schmutzige Straßen, vertrocknende Bäume, all das ist sehr schön gestaltet. Auch Fahrzeuge, Animationen und Gebäude bieten keinen Anlass zur Kritik. Erhebt man sich jedoch mit einem Hubschrauber in die Lüfte, kommt schnell Ernüchterung auf. Die Weitsicht ist extrem eingeschränkt. Oft sieht man einen Berg erst Sekunden vor dem Aufschlag, weil er sich plötzlich vor dem Spieler wie aus dem Nichts aufbaut. Hier ist die Grafikengine maßlos überfordert. Etwas Entschädigung bekommt man durch sehr schöne Explosionen und besonders die herausragenden Raucheffekte, die allerorten eingesetzt werden. Wirft man eine Rauchgranate auf eine Wiese und landet dort kurze Zeit später ein Hubschrauber, dann wird der Rauch so effektvoll verwirbelt, dass man aus dem Staunen kaum herauskommt. Die Explosionen stehen dem kaum nach. Genügend Sprengstoff vorausgesetzt, kann man jedes noch so große Gebäude in die Luft jagen. Wenn eine riesige Flugzeughalle in sich zusammenstürzt, dann sieht das schon sehr beeindruckend aus.
Fazit
Mercenaries muss sich durch das ähnliche Spielprinzip einen Vergleich mit GTA San Andreas gefallen lassen. GTA ist eindeutig epischer und noch umfangreicher als Mercenaries. Aber Mercenaries hat einen entscheidenden Vorteil auf der Xbox: Es gibt GTA nicht für die Microsoft-Konsole. Das militärische Setting und auch die Verbindung zu aktuellen Ereignissen in Nordkorea sind nicht unproblematisch. Doch betrachtet man es aus rein spielerischer Sicht, dann kann Mercenaries einen über Wochen an die Konsole fesseln. Dem großen Umfang und den abwechslungsreichen Missionen sei dank.