Es nimmt kein Ende, aber Halo 2 ist nun mal in diesen Tagen ein Thema, dem man nicht entkommen kann. Das Spiel besteht bekanntlich nicht nur aus einem Einzelspielermodus, sondern kann auch per Xbox Live gespielt werden. Im Vorfeld der Veröffentlichung wurden diverse Details bekannt. Zum Beispiel, dass ein äußerst umfangreicher Beta Test stattgefunden hat und auch dass das Spiel über sehr viele Spielmodi verfügt, die für eine lange Motivation sorgen sollen.
In den vergangenen Tagen hatten bereits unzählige Spieler die Gelegenheit, das Spiel ausgiebig zu genießen.
Gute Seiten
Das Spiel läuft sehr gut. Punkt. Zwar gibt es hin und wieder die bekannten Sprachaussetzer. Manchmal, sehr selten, stockt die Verbindung und alle Spieler müssen eine unfreiwillige Pause einlegen. Während dieser Pause kann man sich mit allen Spielern unterhalten und kurze Zeit später geht das Spiel nahtlos weiter. Diese Kleinigkeiten sind allerdings nicht weiter frustrierend. Das allgemeine Spielgefühl ist sehr gut. Und wenn man bedenkt, wie groß der Ansturm auf Halo ist, wird man mit diesen Fehlerchen gut durch die nächsten Wochen kommen. Irgendwann wird sicher auch der Hype rund um Halo 2 nachlassen.
Eine weitere tadellose Leistung besteht darin, dass für das Spiel offensichtlich eigene Server von Bungie eingesetzt werden. Bei solchen Alleingängen ist man seit dem Fiasko von Burnout 3 sehr skeptisch, aber wie man sieht, gibt es Hersteller, die das ohne Probleme über die Bühne bringen können.
Die Auswahl, was und wie man denn nun spielen möchte, ist sehr groß. Ob einer gegen den Rest, Team gegen Team, alles wird geboten.
Eine sehr gute und begrüßenswerte Neuerung gibt es hinsichtlich einer Spielelobby. Eine solche Lobby ist nicht an einen Spieler gebunden. Wenn Spieler X ein Spiel eröffnet, ist er zunächst der Herr über die Einstellungen. Verlässt er das Spiel aber, kann er seine Befugnisse einfach an einen anwesenden Spieler abtreten und so können alle anderen weiterspielen. An dieser Umsetzung sollten sich die Hersteller in Zukunft ein Bespiel nehmen.
Wählt der Host eine neue Karte aus, wird sie unauffällig im Hintergrund geladen und steht nach dem Spielstart umgehend zur Verfügung. In der Zwischenzeit können die anderen Spieler bequem und schnell Teams wechseln, in Freundeslisten stöbern und allerlei anderen Schabernack treiben.
Eine weitere Neuerung ist, dass man zusammen mit anwesenden Spielern auf einen anderen Server wechseln kann. So kann man sich als Gruppe von Spiel zu Spiel ballern und dabei auf immer neue Gegner treffen.
Schlechte Seiten
Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Nicht so sehr auf der technischen Seite, vielmehr bei der Bedienung. Bei der Bedienlogik allgemein.
Noch nie sah man so viele ratlose Menschen auf einem Fleck. Dabei führen meistens die Einäugigen die Blinden. Niemand weiß mit Bestimmtheit, wie etwas wirklich funktioniert, aber man ist ja hilfsbereit und teilt sein frisch auf einem anderen Server erworbenes Wissen mit den anderen Spielern. Dass dabei aber auch viele Halbwahrheiten vermittelt werden, lässt sich nicht vermeiden.
Die Wurzel allen Übels liegt darin, dass viele Aspekte des Spiels sehr kompliziert sind. Jeder kennt die Funktion "Optimatch". Ruft man sie in einem beliebigen anderen Spiel auf, kann man sich eine Liste aller verfügbaren Spiele auf den Bildschirm holen, die man meistens um weitere Kriterien erweitern kann, bis man zur gewünschten Spielvariante stößt. In einem Rennspiel kann man so alle deutschen Servern herausfiltern oder alle, die eine bestimmte Strecke anbieten.
Nicht so bei Halo 2.
Diese Option wirft zwar den Spieler, wenn er denn Glück hat, in ein Spiel. Die Entscheidung, wo er letztlich landet, wird aber durch Automatismen gesteuert, die man schlich nicht durchschaut. Man kann nichts beeinflussen.
Schuld daran trägt die spärliche Informationspolitik von Microsoft und Bungie. Das Handbuch schweigt sich weitgehend zu den Fragen aus, die die Spieler bewegen. Es ist so, dass lieb gewonnene Gewohnheiten bei der Bedienung all dieser Funktionen hier nicht mehr funktionieren. So gibt es diverse Gruppenfunktionen, Clanfunktionen und auch, ziemlich versteckt, die Möglichkeit einen Server nur für Freunde zu öffnen. Doch all das erschließt sich nicht intuitiv und muss erst herausgefunden werden.
Auch die Frage wie und wann ein Spieler einen höheren Rang durch gewonnene Spiele erhält, ist noch immer ungeklärt.
Das sehr gut gemachte und auf den ersten Blick übersichtliche Menü mit all seinen Funktionen gerät so zur Falle, die einen zwingt, sein Hirn mehr zu beanspruchen als man das gewohnt ist...
Bungie.net
Nun ist es nicht so, dass man ganz allein gelassen wird. Es gibt da noch Bungie.net. Die Zentrale aller Halo-Aktivitäten.
ABER, liebe Entwickler, ich will nicht meinen Rechner anwerfen und stundenlang Seiten im Web blättern.
Die meisten Fragen, die man hat, werden auf Bungie.net beantwortet. Nur, will das wirklich jemand? Selbst die Statistiken zu jedem Spieler sind nur über den Webbrowser einzusehen. Das bedeutet, dass man sehr lange Texte in englisch lesen muss, auf Webseiten, die die hellblaue Schrift auf dunkelblauem Untergrund darstellen. Und all das, um im Ansatz zu verstehen, was man wie machen muss.
Bleibt die Frage, warum das so kompliziert sein muss und warum Microsoft davon ausgeht, dass jeder Spieler die englische Sprache so gut versteht, dass er einen Nutzen aus den Seiten von Bungie.net zieht.
Wer des englischen nicht mächtig ist, muss sein Heil in den zahlreichen deutschen Foren suchen und hoffen, dass alles was dort steht, auch der Wahrheit entspricht.
Fazit
Nett gemeint, aber schlecht umgesetzt. Die vielfältigen Funktionen mögen sich den Entwicklern erschließen, die seit Jahren daran arbeiten. Ein durchschnittlich intelligenter Spieler ist schnell überfordert. Zum Glück kann man auch abseits aller Schwierigkeiten ein ganz normales Spiel eröffnen und sich während der Spielpausen gegenseitig fragen wie denn dies und jenes nun wirklich funktionieren könnte. Das erhöht immerhin die Kommunikation untereinander.
Ich hab keine Lust, Bungie.net zu durchforsten...
Sachdienliche Hinweise nimmt die Redaktion gern entgegen.
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