Xbox 360 – Die Ernüchterung

Viele Monate haben wir nun auf die neue Konsole gewartet.  Next Generation Gaming, nichts weniger erwartet man von der Xbox 360. Eine nie gesehene Grafik in HDTV-Auflösung, herausragende Multimedia-Fähigkeiten und eine nahtlose Anbindung an Xbox Live.  Der nächste Schritt eben. Nun, drei Tage nach dem Verkaufsstart macht sich Ernüchterung breit. Eigentlich kam die Ernüchterung bereits am ersten Tag, nachdem man einige Stunden lang die grandiosen Grafiken eines PGR3 bewundert hatte und aus dem Staunen nicht herauskam.  Doch irgendwann kehrt der Spielealltag ein und es ist, als würde man mit einem Kater nach einer durchzechten Nacht erwachen. Die Konsole ist nicht fertig.  Das kann man als Fazit nach den wenigen Tagen ziehen.  Es gibt viele Probleme. Manche sind klein und nervig, mache sind haarsträubend und ein guter Grund, das Gerät umgehend wieder zurückzugeben.

Punkt 1
Lärmbelästigung – Dass eine Konsole mit drei leistungsfähigen Prozessoren nicht flüsterleise sein würde, hat wohl niemand ernsthaft erwartet.  Die Lüfter sind auch nicht übermäßig laut.  Nicht wesentlich lauter als die der alten Xbox.  Was an der Xbox 360 laut ist, was an der Xbox 360 unfassbar laut ist, das ist das DVD-Laufwerk.  Legt man zum ersten Mal ein Spiel ein, sagen wir PGR3, dann erlebt man eine unangenehme Überraschung.  Das Laufwerk läuft immer, zu jedem Zeitpunkt, mit voller Geschwindigkeit und verursacht einen Radau, den man nicht ertragen kann und nicht ertragen will. Diese Konsole wird als Spielkonsole verkauft.  Das heißt, sie wird vornehmlich in Wohn-und Kinderzimmern zu finden sein.  Nicht im Stahlwerk und auch nicht auf der Rollbahn eines Flughafens, wo man ohnehin nichts hören kann. Es ist unbegreiflich, wie Microsoft eine solche Lärmquelle in den Handel bringen kann.  Es ist eine Frechheit und mit nichts zu entschuldigen.  Was auch immer die technischen Gründe dafür sein mögen, es sollte dem Käufer vollkommen egal sein.  Man darf und muss für den Preis von mehreren hundert Euro erwarten, dass man nicht gegen den Lärm anbrüllen muss.

Punkt 2
Sprachqualität – Die Sprachqualität des neuen Headsets ist schlicht gesagt mies.  Wenn man Glück hat und in einer Spielelobby eine Unterhaltung ohne tausendfaches Echo und Rückkopplungen führen kann, dann fällt einem sofort auf, dass die Qualität der übertragenen Sprache wesentlich schlechter ist als bei der alten Xbox.  Man hört fortwährend ein Hintergrundrauschen und kleine Störgeräusche.  Traurig und auch peinlich für Microsoft ist, dass man mit dem alten Headset keinerlei Rückkopplungen und Echos verursacht. Oft hält man beim Spielen einfach die Schnauze, weil man befürchtet, sich permanent selbst zu hören und Echos und Rückkopplungen zu verursachen.  Eine wesentliche Komponente der Xbox, das Online-Spiel mit Freunden, wird dadurch torpediert und zunichte gemacht. Punkt 3: AbstürzeIm Vorfeld tauchten Berichte über, angeblich häufige, Abstürze auf.  Microsoft gab schnell bekannt, dass in den meisten Fällen diese Abstürze der Konsole durch unsachgemäßes Verdecken der Lüftung und des Netzteils verursacht wurden.  Ansonsten sein alles im grünen Bereich und kein Grund zur Sorge.  Zudem sei die Fehlerquote im Rahmen der Toleranzen. Nun, es gibt diese Abstürze.  Es gibt sie und sie werden nicht durch Hitze und unsachgemäße Lagerung der Xbox 360 verursacht.  Sie werden, wie es den Anschein hat, in den meisten Fällen durch das neue Dashboard verursacht.  Bei der Xbox 360 kann man die Freundesliste immer und überall aufrufen.  Während des Spiels, während eines Chats und auch während der Ladepausen von Spielen.  Genau dies sollte man sich aber verkneifen. Mir persönlich ist die Xbox bereits drei Mal eingefroren. Viele Spieler aus meiner Freundesliste haben das Problem.  Einige verschwinden aber auch so plötzlich mitten im Spiel, weil die Konsole alle Viere von sich gestreckt hat.  Ohne erkennbaren Grund.

Fazit
So schön und beeindruckend die Leistung der Xbox 360 auch sein mag, man merkt an vielen großen und kleinen Details, dass sie zu früh auf den Markt geworfen wurde.  Eine Spielkonsole, die jederzeit abstürzen kann und die im Wohnzimmer einen unerträglichen Lärm verursacht, hat auf dem Markt nichts zu suchen.  Ich bin gern bereit, mehrere hundert Euro dafür auszugeben, aber dann erwarte ich auch gefälligst, dass ich ein gewisses Maß an Qualität bekomme und mir das Spielen nicht vermiest wird.  Die Gründe für das offensichtliche Versagen des Hersteller sind mir ehrlich gesagt vollkommen egal. In zahlreichen Foren häufen sich die Berichte über all diese und weitere Probleme.  Der Support bei Microsoft scheint vollkommen überlastet zu sein und bei eBay findet man unzählige Konsolen von enttäuschten und genervten Erstkäufern. Für mich persönlich ist dieser frühe Start gründlich in die Hose gegangen

Halo 2 – Online Experience

Es nimmt kein Ende, aber Halo 2 ist nun mal in diesen Tagen ein Thema, dem man nicht entkommen kann. Das Spiel besteht bekanntlich nicht nur aus einem Einzelspielermodus, sondern kann auch per Xbox Live gespielt werden. Im Vorfeld der Veröffentlichung wurden diverse Details bekannt. Zum Beispiel, dass ein äußerst umfangreicher Beta Test stattgefunden hat und auch dass das Spiel über sehr viele Spielmodi verfügt, die für eine lange Motivation sorgen sollen.

In den vergangenen Tagen hatten bereits unzählige Spieler die Gelegenheit, das Spiel ausgiebig zu genießen.

Gute Seiten

Das Spiel läuft sehr gut. Punkt. Zwar gibt es hin und wieder die bekannten Sprachaussetzer. Manchmal, sehr selten, stockt die Verbindung und alle Spieler müssen eine unfreiwillige Pause einlegen. Während dieser Pause kann man sich mit allen Spielern unterhalten und kurze Zeit später geht das Spiel nahtlos weiter. Diese Kleinigkeiten sind allerdings nicht weiter frustrierend. Das allgemeine Spielgefühl ist sehr gut. Und wenn man bedenkt, wie groß der Ansturm auf Halo ist, wird man mit diesen Fehlerchen gut durch die nächsten Wochen kommen. Irgendwann wird sicher auch der Hype rund um Halo 2 nachlassen.

Eine weitere tadellose Leistung besteht darin, dass für das Spiel offensichtlich eigene Server von Bungie eingesetzt werden. Bei solchen Alleingängen ist man seit dem Fiasko von Burnout 3 sehr skeptisch, aber wie man sieht, gibt es Hersteller, die das ohne Probleme über die Bühne bringen können.

Die Auswahl, was und wie man denn nun spielen möchte, ist sehr groß. Ob einer gegen den Rest, Team gegen Team, alles wird geboten.

Eine sehr gute und begrüßenswerte Neuerung gibt es hinsichtlich einer Spielelobby. Eine solche Lobby ist nicht an einen Spieler gebunden. Wenn Spieler X ein Spiel eröffnet, ist er zunächst der Herr über die Einstellungen. Verlässt er das Spiel aber, kann er seine Befugnisse einfach an einen anwesenden Spieler abtreten und so können alle anderen weiterspielen. An dieser Umsetzung sollten sich die Hersteller in Zukunft ein Bespiel nehmen.

Wählt der Host eine neue Karte aus, wird sie unauffällig im Hintergrund geladen und steht nach dem Spielstart umgehend zur Verfügung. In der Zwischenzeit können die anderen Spieler bequem und schnell Teams wechseln, in Freundeslisten stöbern und allerlei anderen Schabernack treiben.

Eine weitere Neuerung ist, dass man zusammen mit anwesenden Spielern auf einen anderen Server wechseln kann. So kann man sich als Gruppe von Spiel zu Spiel ballern und dabei auf immer neue Gegner treffen.

Schlechte Seiten

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Nicht so sehr auf der technischen Seite, vielmehr bei der Bedienung. Bei der Bedienlogik allgemein.

Noch nie sah man so viele ratlose Menschen auf einem Fleck. Dabei führen meistens die Einäugigen die Blinden. Niemand weiß mit Bestimmtheit, wie etwas wirklich funktioniert, aber man ist ja hilfsbereit und teilt sein frisch auf einem anderen Server erworbenes Wissen mit den anderen Spielern. Dass dabei aber auch viele Halbwahrheiten vermittelt werden, lässt sich nicht vermeiden.

Die Wurzel allen Übels liegt darin, dass viele Aspekte des Spiels sehr kompliziert sind. Jeder kennt die Funktion “Optimatch”. Ruft man sie in einem beliebigen anderen Spiel auf, kann man sich eine Liste aller verfügbaren Spiele auf den Bildschirm holen, die man meistens um weitere Kriterien erweitern kann, bis man zur gewünschten Spielvariante stößt. In einem Rennspiel kann man so alle deutschen Servern herausfiltern oder alle, die eine bestimmte Strecke anbieten.

Nicht so bei Halo 2.

Diese Option wirft zwar den Spieler, wenn er denn Glück hat, in ein Spiel. Die Entscheidung, wo er letztlich landet, wird aber durch Automatismen gesteuert, die man schlich nicht durchschaut. Man kann nichts beeinflussen.

Schuld daran trägt die spärliche Informationspolitik von Microsoft und Bungie. Das Handbuch schweigt sich weitgehend zu den Fragen aus, die die Spieler bewegen. Es ist so, dass lieb gewonnene Gewohnheiten bei der Bedienung all dieser Funktionen hier nicht mehr funktionieren. So gibt es diverse Gruppenfunktionen, Clanfunktionen und auch, ziemlich versteckt, die Möglichkeit einen Server nur für Freunde zu öffnen. Doch all das erschließt sich nicht intuitiv und muss erst herausgefunden werden.
Auch die Frage wie und wann ein Spieler einen höheren Rang durch gewonnene Spiele erhält, ist noch immer ungeklärt.

Das sehr gut gemachte und auf den ersten Blick übersichtliche Menü mit all seinen Funktionen gerät so zur Falle, die einen zwingt, sein Hirn mehr zu beanspruchen als man das gewohnt ist…

Bungie.net

Nun ist es nicht so, dass man ganz allein gelassen wird. Es gibt da noch Bungie.net. Die Zentrale aller Halo-Aktivitäten.
ABER, liebe Entwickler, ich will nicht meinen Rechner anwerfen und stundenlang Seiten im Web blättern.

Die meisten Fragen, die man hat, werden auf Bungie.net beantwortet. Nur, will das wirklich jemand? Selbst die Statistiken zu jedem Spieler sind nur über den Webbrowser einzusehen. Das bedeutet, dass man sehr lange Texte in englisch lesen muss, auf Webseiten, die die hellblaue Schrift auf dunkelblauem Untergrund darstellen. Und all das, um im Ansatz zu verstehen, was man wie machen muss.
Bleibt die Frage, warum das so kompliziert sein muss und warum Microsoft davon ausgeht, dass jeder Spieler die englische Sprache so gut versteht, dass er einen Nutzen aus den Seiten von Bungie.net zieht.

Wer des englischen nicht mächtig ist, muss sein Heil in den zahlreichen deutschen Foren suchen und hoffen, dass alles was dort steht, auch der Wahrheit entspricht.

Fazit

Nett gemeint, aber schlecht umgesetzt. Die vielfältigen Funktionen mögen sich den Entwicklern erschließen, die seit Jahren daran arbeiten. Ein durchschnittlich intelligenter Spieler ist schnell überfordert. Zum Glück kann man auch abseits aller Schwierigkeiten ein ganz normales Spiel eröffnen und sich während der Spielpausen gegenseitig fragen wie denn dies und jenes nun wirklich funktionieren könnte. Das erhöht immerhin die Kommunikation untereinander.

Ich hab keine Lust, Bungie.net zu durchforsten…
Sachdienliche Hinweise nimmt die Redaktion gern entgegen.

Aus dem Leben eines Halo-Käufers

Schaut man seit dem letzten Wochenende in diverse Foren, entdeckt man immer mehr glückliche Besitzer von Halo 2. Selbst wenn man sich dem Trubel entziehen wollte, es geht nicht. Allerorten hört man nur Halo, Halo, Halo. Will man in den nächsten Tagen und Wochen nicht allein spielen, weil alle Freunde und Bekannte bei Halo rumhängen, muss man sich das Spiel also kaufen. Wäre da nicht diese unsägliche Beschränkung von Microsoft, dass das Spiel erst ab dem 11.11 verkauft werden darf. Wie zum Teufel kommen dann all diese Leute an das Spiel heran.

Also auf zum Selbstversuch. Verdammt noch mal, man wird das Spiel doch auch schon vorher auftreiben können. Mit allen anderen ging es ja auch.

Akt 1

Anruf bei einem bundesweiten Versender, der einige Strassen weiter seine Zentrale hat.

Käufer: Hallo, ich würde Halo 2 gern heute schon haben

Verkäufer (amüsiert): Nee, das gibt es doch erst am 11.11. Vorher darf ich das nicht verkaufen

Käufer (lügt): Ja, aber ich bin nur noch heute in der Stadt und am 11.11 bin ich in Hamburg. Dann kaufe ich es da und ihr habt ein Spiel weniger an den Man gebracht.

Verkäufer (mitleidig): Ja, das ist Pech, aber wir dürfen das nicht. Wir mussten da etwas unterschreiben und wenn wir dagegen verstoßen, müssen wir eine fünfstellige Summe als Strafe bezahlen.

Käufer (lügt diesmal nicht): Aber im Internet finden sich so viele Beiträge, dass das schon von diversen Geschäften verkauft wird.

Verkäufer (leicht panisch): Wirklich!?! Moment, da muss ich mal nachfragen.
Käufer (grinst und wähnt sich am Ziel): Ok, ich warte

Verkäufer: Sorry, wir können das nicht machen. Das ist uns zu gefährlich.

Verdammt, die sind hartnäckig.

Microsoft: 1 Käufer: 0

Euch krieg ich noch

Akt 2
Eine große Filiale einer noch größeren Elektrokette wird aufgesucht

Käufer blickt ins Regal. Nichts zu sehen von Halo 2. Wenige Meter weiter steht eine freundlich aussehende Verkäuferin. Die schnapp ich mir.

Käufer: Hallo, ich hätte gern einmal Halo 2 zum Mitnehmen.

Verkäuferin: Tut mir leid, wir dürfen noch nicht.

Käufer (lügt, dass sich die Balken biegen): Aber so viele Geschäfte verkaufen das schon. Zum Beispiel dieser Versender (der aus Akt 1), aber den mag ich nicht und deshalb wollte ich das Spiel hier kaufen.

Verkäuferin (etwas verzweifelt): Was, wirklich? Andere verkaufen das schon? Dann muss ich mich schlau machen. Wir dürfen das laut Zentrale nicht. Sonst wird es teuer. Aber wenn die das machen, dann werden wir das heute auch machen, weil wir sonst einen Nachteil haben.

Käufer (sieht seine Chance und stichelt gegen die Verräter): Ja, ja, kein Schwein schert sich um die Beschränkungen. Warum sollt ihr darunter leiden.

Verkäuferin: Stimmt, aber ich muss erst mal überall nachfragen. Das kann bis heute Abend dauern. Und wenn ich Dir das mitgebe, dann läuft es durch die Kasse und die Zentrale kriegt es mit und dann bricht die Hölle hier los. Sorry!

Wieder ein Fehlschlag

Microsoft: 2 Käufer: 0

Akt 3

Eine nicht ganz so große Filiale einer nicht ganz so großen Elektrokette wird aufgesucht

Käufer blickt wieder ins Regal. Nichts zu sehen von Halo 2. Ein freundlich aussehender junger Mann steht am Info-Schalter. Er heißt Ali und grüßt nett. Jetzt oder nie!

Käufer: Haben Sie das Spiel Halo 2 hier schon irgendwo?

Verkäufer: Moment, ich seh´ im Computer nach. Ist das Playstation?

Käufer (wittert schon den Sieg): Äh, nö. Ist Xbox

Verkäufer (tippt und sucht und tippt und sucht): Ach, hier ist es. Ja, wir haben 30 Stück. Sind die nicht im Regal?

Käufer (ahnungslos): Nee, konnte ich nicht finden.

Verkäufer: Moment, ich hol eines aus dem Lager.

Käufer (verbirgt seine zitternden Hände unter dem Tresen und verkneift sich ein Grinsen): Ok, ich warte. Danke.

Der Verkäufer geht ins Lager und kommt einige Minuten später wieder. Der Käufer schlendert ihm scheinbar gelangweilt entgegen und tut so, als würde er sich die aufgebauten Ghetto-Blaster ansehen. Jetzt kann nur noch eins passieren: Ein Kollege, der besser informiert ist, sieht das Spiel und erinnert sich an das Verkaufsverbot vor dem 11.11.

Also auf zum Angriff und geh Ali entgegen. Lenk ihn von den anderen ab.

Verkäufer: So, hier ist es. Ich weiß aber gar nicht, was das kostet. Soll ich mal nachsehen?

Käufer (denk sich “NEIN!”): Ach, nö, dieses Zeug kostet eh immer dasselbe. Danke und schönen Tag.
Kurz darauf die Karte gezückt und raus aus dem Laden. Mit dem Gefühl, als hätte man das Spiel geklaut.
BINGO. DANKE ALI

Die Moral von der Geschicht: Die dümmsten Auflagen bringen nichts, wenn nicht alle Verkäufer darüber informiert sind.