Aus dem Leben eines Halo-Käufers

Schaut man seit dem letzten Wochenende in diverse Foren, entdeckt man immer mehr glückliche Besitzer von Halo 2. Selbst wenn man sich dem Trubel entziehen wollte, es geht nicht. Allerorten hört man nur Halo, Halo, Halo. Will man in den nächsten Tagen und Wochen nicht allein spielen, weil alle Freunde und Bekannte bei Halo rumhängen, muss man sich das Spiel also kaufen. Wäre da nicht diese unsägliche Beschränkung von Microsoft, dass das Spiel erst ab dem 11.11 verkauft werden darf. Wie zum Teufel kommen dann all diese Leute an das Spiel heran.

Also auf zum Selbstversuch. Verdammt noch mal, man wird das Spiel doch auch schon vorher auftreiben können. Mit allen anderen ging es ja auch.

Akt 1

Anruf bei einem bundesweiten Versender, der einige Strassen weiter seine Zentrale hat.

Käufer: Hallo, ich würde Halo 2 gern heute schon haben

Verkäufer (amüsiert): Nee, das gibt es doch erst am 11.11. Vorher darf ich das nicht verkaufen

Käufer (lügt): Ja, aber ich bin nur noch heute in der Stadt und am 11.11 bin ich in Hamburg. Dann kaufe ich es da und ihr habt ein Spiel weniger an den Man gebracht.

Verkäufer (mitleidig): Ja, das ist Pech, aber wir dürfen das nicht. Wir mussten da etwas unterschreiben und wenn wir dagegen verstoßen, müssen wir eine fünfstellige Summe als Strafe bezahlen.

Käufer (lügt diesmal nicht): Aber im Internet finden sich so viele Beiträge, dass das schon von diversen Geschäften verkauft wird.

Verkäufer (leicht panisch): Wirklich!?! Moment, da muss ich mal nachfragen.
Käufer (grinst und wähnt sich am Ziel): Ok, ich warte

Verkäufer: Sorry, wir können das nicht machen. Das ist uns zu gefährlich.

Verdammt, die sind hartnäckig.

Microsoft: 1 Käufer: 0

Euch krieg ich noch

Akt 2
Eine große Filiale einer noch größeren Elektrokette wird aufgesucht

Käufer blickt ins Regal. Nichts zu sehen von Halo 2. Wenige Meter weiter steht eine freundlich aussehende Verkäuferin. Die schnapp ich mir.

Käufer: Hallo, ich hätte gern einmal Halo 2 zum Mitnehmen.

Verkäuferin: Tut mir leid, wir dürfen noch nicht.

Käufer (lügt, dass sich die Balken biegen): Aber so viele Geschäfte verkaufen das schon. Zum Beispiel dieser Versender (der aus Akt 1), aber den mag ich nicht und deshalb wollte ich das Spiel hier kaufen.

Verkäuferin (etwas verzweifelt): Was, wirklich? Andere verkaufen das schon? Dann muss ich mich schlau machen. Wir dürfen das laut Zentrale nicht. Sonst wird es teuer. Aber wenn die das machen, dann werden wir das heute auch machen, weil wir sonst einen Nachteil haben.

Käufer (sieht seine Chance und stichelt gegen die Verräter): Ja, ja, kein Schwein schert sich um die Beschränkungen. Warum sollt ihr darunter leiden.

Verkäuferin: Stimmt, aber ich muss erst mal überall nachfragen. Das kann bis heute Abend dauern. Und wenn ich Dir das mitgebe, dann läuft es durch die Kasse und die Zentrale kriegt es mit und dann bricht die Hölle hier los. Sorry!

Wieder ein Fehlschlag

Microsoft: 2 Käufer: 0

Akt 3

Eine nicht ganz so große Filiale einer nicht ganz so großen Elektrokette wird aufgesucht

Käufer blickt wieder ins Regal. Nichts zu sehen von Halo 2. Ein freundlich aussehender junger Mann steht am Info-Schalter. Er heißt Ali und grüßt nett. Jetzt oder nie!

Käufer: Haben Sie das Spiel Halo 2 hier schon irgendwo?

Verkäufer: Moment, ich seh´ im Computer nach. Ist das Playstation?

Käufer (wittert schon den Sieg): Äh, nö. Ist Xbox

Verkäufer (tippt und sucht und tippt und sucht): Ach, hier ist es. Ja, wir haben 30 Stück. Sind die nicht im Regal?

Käufer (ahnungslos): Nee, konnte ich nicht finden.

Verkäufer: Moment, ich hol eines aus dem Lager.

Käufer (verbirgt seine zitternden Hände unter dem Tresen und verkneift sich ein Grinsen): Ok, ich warte. Danke.

Der Verkäufer geht ins Lager und kommt einige Minuten später wieder. Der Käufer schlendert ihm scheinbar gelangweilt entgegen und tut so, als würde er sich die aufgebauten Ghetto-Blaster ansehen. Jetzt kann nur noch eins passieren: Ein Kollege, der besser informiert ist, sieht das Spiel und erinnert sich an das Verkaufsverbot vor dem 11.11.

Also auf zum Angriff und geh Ali entgegen. Lenk ihn von den anderen ab.

Verkäufer: So, hier ist es. Ich weiß aber gar nicht, was das kostet. Soll ich mal nachsehen?

Käufer (denk sich “NEIN!”): Ach, nö, dieses Zeug kostet eh immer dasselbe. Danke und schönen Tag.
Kurz darauf die Karte gezückt und raus aus dem Laden. Mit dem Gefühl, als hätte man das Spiel geklaut.
BINGO. DANKE ALI

Die Moral von der Geschicht: Die dümmsten Auflagen bringen nichts, wenn nicht alle Verkäufer darüber informiert sind.

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