Halo 2 Review

Hier steh´ ich also. Auf einem Hügel. In der Hand halte ich eine Alien-Wumme, die aussieht wie ein Föhn im Colani-Design. Und wenn ich an mir heruntersehe, kann ich meine Füße erkennen. Wahnsinn. Dass ich die Plattfüße des Master Chief sehen kann, soll eine der bahnbrechenden Neuerungen sein, die seit Monaten im Internet diskutiert werden.

Das also ist Halo 2. Ein Spiel, das uns seit Jahren durch die geballte Marketing-Maschinerie von Microsoft um die Ohren gehauen wird. Wohl kaum ein anderes Spiel wurde derart hochstilisiert wie Halo 2. Der Hype nimmt teils skurrile, teils lächerliche Züge an. Renommierte Zeitschriften, die eigentlich jedes Spiel vorab testen, dürfen plötzlich nur unter Bewachung eines Microsoft-Aufpassers spielen, sie dürfen auch keine Screenshots anfertigen und erst recht keine Wertung vor dem offiziellen Release abgeben. Ein Wort zur Story des Einzelspieler-Modus ist ebenso verpönt wie das Anfertigen von eigenen Videos.

Fans des Spiels nehmen sich Urlaub, zelebrieren Partys, und packen das Spiel in einer religiös anmutenden Zeremonie aus. In Foren werden User, die sich kritisch äußern, gnadenlos niedergemacht.
Was bei Spielen wie Driver 3 und Enter the Matrix auf heftige Kritik seitens der Spieler gestoßen ist, wird bei Halo 2 als Tatsache hingenommen. Nämlich das Puschen des Spiel vorab, ohne dass jemand auch nur einen Blick darauf geworfen hat. Nun denn, legen wir los und sehen, ob es wirklich so gut geworden ist wie uns Microsoft weismachen will.

Story

Bis vor wenigen Wochen war über die Story nichts bekannt. Aber auch rein gar nichts. Das große Geheimnis liegt wohl darin, dass der Spieler im Verlauf des Spiels nicht nur in die Rolle des Master Chief schlüpft, sondern auch einen Alien steuern darf. Somit teilt sich das Spiel abwechselnd in zwei Handlungsstränge, die zwei unterschiedliche Aspekte der Geschichte beleuchten. Auf der einen Seite steht der strahlende Held Master Chief, auf der anderen Seite der arme Tropf von einem Alien, der mitten in einen Glaubenskrieg der Außerirdischen gerät und nach seinen verlorenen Kämpfen gegen die Menschen in Halo 1 nicht nur seine Ehre retten muss, sondern auch seine Haut. Eines muss man Microsoft und Bungie lassen – ob man die Story nun mag oder nicht – sie ist sehr komplex und vielschichtig. Es geht um religiösen Fanatismus, Machtkämpfe zwischen den Aliens und nebenbei um die Zerstörung der Menschheit. Wäre es anders, könnte man auch nicht so herrlich herumballern.

Das Spiel

Die Guten

Der Anfang des Spiels ist bereits aus dem ersten Teil bekannt. Man findet sich auf einem Raumschiff wieder, muss seinen Helm kalibrieren, indem man auf diverse Lichter blickt und kurz drauf wird man ins Getümmel geworfen. Die Aliens wollen doch schon wieder das Schiff stürmen. Also werden wir der verdammten Brut ordentlich einheizen. bbedit

Sie sprengen kurze Zeit später die Tür und verteilen sich sofort im Raum, um Deckung zu suchen und die Gegner unter Feuer zu nehmen. Da hilft nur geballte Feuerkraft. Ein Glück, dass man zwei Waffen gleichzeitig benutzen kann. Das erhöht die Schlagkraft enorm, zumal die Gegner sehr aggressiv und auch klug vorgehen. Intelligentes und taktischen Vorgehen beherrschen sowohl die menschlichen als auch die außerirdischen Kameraden und Gegner.

Das Führen von zwei Waffen ist übrigens eines der vielen Details, die so ausgiebig in Internet-Foren diskutiert werden. Es interessiert niemanden wirklich. Ebenso, dass nun die Energieanzeige an eine andere Stelle versetzt worden ist oder dass die Nachladezeit 2 Sekunden länger ist. Aber so sind sie nun mal, die Verehrer von Halo. So detailverliebt und gewissenhaft.

Nachdem wir die Aliens aus unserem Raumschiff vertrieben haben, geht es in einer dramatischen Sequenz hinaus in den Weltraum. Master Chief krallt sich an einer deponierten Bombe fest und liefert sie postwendend beim Überbringer ab.

Im zweiten Level wechselt das Szenario dramatisch. Waren wir eben noch in den düsteren Gängen der Raumstation unterwegs, geht es nun in das sonnendurchflutete, aber leider auch stark zerstörte New Mombasa. Wir kämpfen in den Straßen und Häusern der umkämpften Stadt. Zunächst gegen die relativ leicht zu besiegenden Standard-Aliens, später gegen fliegende Insekten-Wesen und schließlich gegen sehr große und schwer gepanzerte Gegner. Während dieser Kämpfe ist es möglich, nicht nur die eigenen Waffen zu gebrauchen, sondern auch fest installierte, schwere Kanonen.

Geht die Munition zur Neige, schnappt man sich kurzerhand die Waffe eines Kameraden oder eines getöteten Aliens.

In New Mombasa folgt ein Abschnitt, der uns zwingt, einen schweren Panzer zu benutzen. Unsere Kameraden sitzen auf dem Panzer und feuern aus allen Rohren. Wir nehmen Platz an der Kanone und pusten alles aus dem Weg, was uns in die Quere kommt. Diese Mission fällt leider gegenüber den anderen etwas ab. Das herumfahren mit dem Panzer macht zwar Spaß, herausfordernd ist es aber nicht. Gegen das schwere Geschütz unseres Panzers haben die Feinde kaum eine Chance.

Dafür wird man kurz darauf mit dem Einsatz von anderen Fahrzeugen entschädigt. Entweder man benutzt den schwer zu steuernden Warthog der Menschen oder man schnappt sich einen der kleinen, wendigen Gleiter der Aliens. Sollte ein solches Gefährt bereits besetzt sein, kann man dessen Fahrer auch unsanft nach draußen befördern. Man nähert sich dem Gefährt, drückt auf einen Knopf und schon ist man Herr des Cockpits. Aber Vorsicht, diesen Platz kann man ebenso schnell wieder verlieren.

Die Missionen führen uns an recht abwechslungsreiche Orte. Man findet sich inmitten von prähistorisch anmutenden Ruinen, auf einer riesigen Roboter-Spinne, auf großen, gleitenden Plattformen über dem Meer und sogar unter Wasser. Hier hat Bungie gute Arbeit geleistet.

Die weniger Guten

Eine spannende Neuerung an Halo 2 ist mit Sicherheit die Möglichkeit, diverse Missionen aus der Sicht eines Aliens zu spielen.

Spielt man als Master Chief meist in recht gut beleuchteten Umgebungen, wird es auf der Gegenseite sehr düster. Man führt oft einen kleinen Trupp von Aliens an und dringt in feindliche Festungen ein, die von Gegnern kontrolliert werden, die der eigenen Rasse angehören.

Sehr praktisch ist die Tarneinrichtung über die man kurzzeitig verfügt. Ganz im Stil der Predator-Filme schaltet man eine Tarnung hinzu, durch die man fast vollkommen unsichtbar wird. Nur eine leichter Schimmer verrät einen noch. Schade ist, dass unsere Kameraden diese Tarnung für sehr lange Zeit benutzen können, wir hingegen nur wenige Sekunden.

Diese Missionen führen den Spieler an teilweise sehr beklemmende Orte. Eklige Labors und enge und dunkle Gänge wechseln sich ab mit bizarren Gebäuden und Maschinen und grandiosen Luftkämpfen. Hinzu kommen phänomenal gigantische Konstruktionen, die als Kulisse unserer Abenteuer dienen.

Der Nachgeschmack

Bei aller Abwechslung im Leveldesign bleibt trotzdem ein etwas schaler Nachgeschmack. Die meisten Level wirken irgendwie steril. Man hat das Gefühl, dieser und jener Abschnitt ist nicht Teil einer komplexen Welt, sondern dient nur als Szenario eines Kampfes und wurde nur aus diesem Grunde erschaffen. Man fährt auf einer Plattform über das Meer und nähert sich einem Gebäude. Und man weiß ganz genau, dass in jener und jener Ecke die Gegner auftauchen werden. So verhält es sich mit nahezu jedem Abschnitt. Ein Labor der Aliens sieht man zunächst nur von oben durch eine Scheibe. Und natürlich werden dort unten massig Aliens warten und deshalb wird man sich durch dieses Labor kämpfen müssen, um den Level zu beenden. Es gibt keine Überraschungen.

Spätestens nach einer Stunde stellt man fest, dass das Spiel kaum Innovationen bietet. Sicher, der Einsatz von diversen Fahrzeugen, die in in viele Einzelteile gesprengt und geschossen werden können, ist ein nettes Spielelement, aber nichts Neues.

Der Umgang mit Waffen und Feinden in den Alien-Missionen unterscheidet sich, verglichen mit den menschlichen Spielabschnitten, nur durch das Design der Gerätschaften.

Beide Rassen verfügen über ähnliche Arsenale. Ein Sniper-Gewehr, diverse Handfeuerwaffen und leichte Maschinengewehre. Abwechslung bieten hier nur die Tarnung der Aliens und das sehr mächtige Plasma-Schwert, das im Nahkampf verheerende Schäden anrichtet.

Die Story, die in zahlreichen Zwischensequenzen erzählt wird, basiert auf einem ausgefeilten Drehbuch. Die Umsetzung dieser Story im Spiel erfordert aber letztendlich nur eine einzige Vorgehensweise: Ballern bis alles tot ist. Fehlt Dir Munition, dann nimm eine andere Waffe auf und schieß weiter. Hier fehlt jegliche Innovation. Niemand wird sein Gehirn in Gang setzen müssen, um das Ende des Spiels zu sehen. Gutes Zielen zählt alles, Hirnschmalz nichts. Einige wenige Schalter müssen umgelegt werden, um Türen zu öffnen oder Mechanismen in Gang zu setzen. Ein Spiel, das die Welt erschüttern will und dessen Story wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurde, sollte vielleicht etwas mehr bieten als das. Die lineare Vorgehensweise unterstreicht diesen Eindruck. Zwar gibt es einige Stellen, an denen man den Gegnern in den Rücken fallen kann, diese sind jedoch nur sporadisch vorhanden und sie ermöglichen auch nur einen kleinen Ausbruch aus der Linearität. Alle Wege sind vorgegeben und einzuhalten, will man zum nächsten Level kommen. Einzig beim Töten kann man sich entscheiden, welche Waffen man einsetzen will.

Grafik

Zunächst einmal sollte man festhalten, dass alle vorab veröffentlichten Bilder nicht der Realität entsprechen. Blättert man beispielsweise ein Magazin wie die GamePro durch, dann stößt man auf atemberaubende, hochaufgelöste Bilder. Die Redaktion wurde gezwungen, die offiziellen Bilder zu benutzen und durfte keine eigenen Screenshots anfertigen. Das Problem ist, dass dieses Promo-Material zu schön ist, um wahr zu sein. Die Texturen sind perfekt, die Auflösung gigantisch. Alles Humbug.

Dennoch: Die Grafik ist eindeutig eine der starken Seiten von Halo 2.
Beim Spielen stellt sich unweigerlich ein großes Staunen ein. An Halo 2 werden sich künftige Spiele messen müssen. In den Außenarealen fällt die phänomenale Weitsicht auf. Steht man auf einer Anhöhe, dann kann man über das Meer bis zum Horizont blicken. Der Himmel ist zwar gemalt, aber das mindert den Eindruck nicht im Geringsten.

Die Auffälligste Komponente an der Grafik in Halo 2 sind die zahllosen Lichteffekte. Überall blitzt und lodert es. Die Mündungsfeuer der Alien-Waffen und Fahrzeuge sind ein echter Hingucker. Blau oder rot strahlende Effekte erhellen dunkle Gänge, grell leuchtende Schüsse von Drohnen oder strahlende Rüstungen lassen den Unterkiefer des Spielers manchmal nach unten klappen.

Bei den Texturen gibt es hin und wieder Aussetzer. Objekte und Personen werden erst detailliert dargestellt, wenn man sich ihnen nähert. In einigen Abschnitten werden grandiose Oberflächen durch triste und einfallslose Texturen durchbrochen. Das sieht zwar nicht sehr schön aus, doch es stört den Gesamteindruck auch nicht weiter.

Die Flugeinlagen, die man in einigen Leveln absolvieren muss, sind ein weiterer Beweis für die grandiose Arbeit, die hier abgeliefert wird. Nichts ruckelt, selbst, wenn man zwischen gigantischen Gebäuden umherfliegt und die Gegner aus allen Rohren feuern.

Sound

Sound und Musik bewegen sich ebenfalls auf allerhöchstem Niveau. Dolby Digital wird bis zum Letzten ausgereizt. Aus allen Lautsprechern erschallen Effekte, Stimmen und Musik. Gegner sind stets klar zu orten. Ob hinten links, hinten rechts oder vorne links, immer weiß man, woher die Gefahr droht. Dadurch und durch die brillanten Effekte wird teilweise eine absolut beängstigende Atmosphäre heraufbeschworen, die man getrost als Referenz ansehen kann.

Die Musik ist größtenteils passend und stimmig. Ob rockiger Soundtrack oder harmonische Filmmusik, fast immer wird der richtige Ton getroffen. Nur vereinzelt, sehr selten, hört man Musikstücke, die etwas zu “billig” klingen.
Stimmen und Synchronsprecher erreichen nicht die Klasse der übrigen Sounds, da einige der Sprecher ihre Texte lustlos und auch unpassend vortragen. Dieses Manko wird aber durch die übrige Soundkulisse wieder wett gemacht.

Design

Das Design des Spiels dürfte nicht bei jedem Spieler auf Begeisterung stoßen. Sind die Waffen und Fahrzeuge der Menschen noch sehr technisch und kühl, wandelt sich das Bild auf der Gegenseite ins Gegenteil. Die Waffen der Aliens sind teilweise einfach absurd hässlich. Eine gewölbte Pistole, die mit diversen leuchtenden Glassplittern gespickt ist, wirkt irgendwie fehl am Platz.
Natürlich, alles bei den Aliens ist organisch und fließend, aber man hat immer wieder das Gefühl, auf dem Christopher Street Day zu sein, mit all den fröhlich-tuntigen Waffen. Besonders deutlich wird das, wenn ein Marine eines dieser Dinger in der Hand hält, weil ihm die Munition für die eigene Waffe ausgegangen ist. Wenn man diesen Marine ansieht, möchte man ihn nur noch bedauern. Lieber mit der bloßen Faust kämpfen als mit diesem Alien-Dildo. Aber das war schon immer der Stil von Bungie. Schon bei den Frühwerken der Entwickler, den Spielen der Marathon-Reihe, konnte man ähnliche Designs beobachten.

Der Bizarre Eindruck wird von den Gegnern teilweise unterstützt. Es gibt Aliens, die wie richtig gefährliche Monster aussehen und jedem Hollywoodfilm zur Ehre gereichen würden. Es gibt aber auch diese kleinen Mainzelmännchen, die wie Enten watscheln, riesige, alberne Hüte tragen und hysterisch quieken. Man weiß bei denen nicht einmal wo vorne und hinten ist. Hat man sie erst erschossen, kann man das nicht mehr herausfinden, weil sie nur noch aus einem Haufen blau leuchtenden Breis bestehen.

Multiplayer

Beim Thema Multiplayer haben sich die Entwickler nicht lumpen lassen und haben ein reichhaltiges Angebot an Spielmodi ins Spiel integriert, das über jeden Zweifel erhaben ist. Ob Offline mit bis zu vier Spielern, im lokalen Netzwerk oder per Xbox Live, der Spieler hat die Qual der Wahl. King of the Hill, Deathmatch, Team Deathmatch oder Capture the Flag. Diese und zahlreiche andere Spielmodi sind vorhanden und werden durch unzählige Varianten vervielfältigt. Leider fehlt ein Coop-Modus über Xbox Live, der nur offline per Splitscreen spielbar ist.

Ergänzt wird das Gemetzel von zahlreichen Statistiken und Optionen, das Spiel nach eigenem Gutdünken zu gestalten.

Obwohl die Multiplayer Spiele bei Halo 2 sehr hektisch sind und oft auch nur in wildem Herumgehopse ausarten, dürften die Vielzahl für viel Abwechslung sorgen.

Wie sich diese Spielkomponente bewährt, wird man in den nächsten Tagen und Wochen sehen. Ein ausführlicher Testbericht dieses Bereichs folgt in Kürze.

Fazit

Ob das Spiel nun der beste Shooter aller Zeiten ist, darf man getrost bezweifeln. Eingefleischte Halo-Fans werden das so sehen. In fast schon religiösem Fanatismus werfen sie sich in die Schlacht und kaufen das Spiel blind. Dagegen kann man nichts einwenden.

Wenn man es möglichst objektiv betrachtet, dann ist Halo 2 ein sehr guter Shooter mit überragender Technik. Die Messlatte für die Konkurrenz wurde durch Bungie sehr hoch nach oben verschoben. Der Multiplayer-Part ist ungemein umfangreich und eindeutig die starke Seite von Halo 2.

Der Einzelspieler-Modus hingegen kann das hohe Niveau der Versprechungen nicht halten. Trotz diverser Neuerungen im Leveldesign und einer komplexen Hintergrundgeschichte läuft das Geschehen auf stumpfes Ballern hinaus. Die Gehirnzellen werden nicht gefordert, sondern nur der Abzugsfinger. Der letztendliche Spielablauf kann mit der Story nicht mithalten, denn was sie an Komplexität vorgibt, wird nicht im Geringsten umgesetzt. Man schießt sich von Abschnitt zu Abschnitt, von Gegner zu Gegner.

Der Einsatz von Fahrzeugen schafft eine gewisse Abwechslung, die durch die geringe Vielfalt an verschiedenen Gegnern jedoch wieder zunichte gemacht wird.
Ob die teils kitschig-bunten und unförmigen Waffen und die etwas einfallslosen Settings den Spielspaß mindern, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich denke, nein, denn dafür wird man auf der anderen Seite mit atemberaubenden Levelabschnitten entschädigt, die eine einzigartige Atmosphäre vermitteln.

Fazit vom Fazit

Halo 2 ist auch nur ein Spiel…

Grand Theft Auto: San Andreas

Die korrupten Cops fangen Carl “CJ” Johnson bereits am Flughafen von Los Santos ab und hängen ihm einen Mord an, den er, ausnahmsweise, nicht begangen hat. Damit haben sie ihn in der Hand. CJ ist heimgekehrt, um an der Beerdigung seiner Mutter teilzunehmen. Fünf Jahre zuvor hatte er seinem Stadtteil den Rücken gekehrt. Sein Bruder Sweet ist dort geblieben. Er führt in seiner Gang ein strenges Regiment und ist auf CJ nicht gut zu sprechen, weil er ihm die Schuld an dem Tod ihres kleinen Bruders gibt, der in den Bandenkrieg geraten ist, der in Los Santos tobt. Die Beerdigung gerät zum Desaster. Eine gegnerische Gang nutzt  diesen Moment der stillen Trauer und versucht, Sweet samt Gang ins Jenseits zu befördern. Dieser Überfall ist der Anlass für CJ in sein altes Leben als Gangmitglied zurückzukehren und alle guten Vorsätze, ein halbwegs anständiges Leben zu führen, über Bord zu werfen.

Dies ist der Auftakt zum neuesten GTA-Spektakel und bildet nur die Spitze von unzähligen Abenteuern, Aufgaben und Freiheiten, die man in diesem Spiel erleben wird. Die Entwickler haben es im neuesten Teil nicht dabei belassen, eine einzelne Stadt als Spielwelt zu erschaffen. Sie haben es geschafft, drei Städte in einen Bundesstaat zu packen. Inklusive einem riesigen Straßennetz, das diese Bereiche miteinander verbindet. Anfangs kann man nur ahnen, welch riesige Spielwelt einen erwarten wird.

Eine Welt voller Ideen

Grafik

GTA war schon immer ein trauriges Beispiel für schlechte Grafik. Im Jahre 2005 mit solch schlichten Texturen, solch eckigen Charaktermodellen und stellenweise stark aufpoppenden Objekten ein Spiel auf den Markt zu bringen, würde jedem anderen Entwickler finanziell den Todesstoß versetzen. Doch die Entwickler von Rockstar hatten in dieser Hinsicht schon immer einen Bonus von Seiten der Spieler. Das ist auch bitter nötig, denn oft wundert man sich, wie simpel viele Texturen aussehen. Die Hände der Spielfiguren beispielsweise sind unförmige Klumpen, die kaum Ähnlichkeit mit ihren anatomischen Vorbildern haben und fliegt man mit einem Flugzeug über die Spielwelt, dann tauchen viele Objekte unvermutet aus dem Nebel auf. Sehr schade ist, dass die Vorteile der Xbox gegenüber der Playstation 2 praktisch gar nicht genutzt werden und dass das Spiel, was die technische Seite angeht, nur eine simple Portierung ist. Die Texturen sind minimal schärfer, das Kantenflimmern ist ebenfalls reduziert. Und dennoch, einen Unterschied sieht man nur im direkten Vergleich.Dies ist jedoch nur ein Aspekt der Präsentation. Im Gegenzug zu diesem Minimalismus bekommt man, als Entschädigung sozusagen, eine schier endlos anmutende Welt, die man ohne Ladezeiten zu Lande, zu Wasser oder in der Luft bereisen kann. Mit Smog verseuchte Industriegebiete wechseln sich ab mit ländlicher Idylle und einer an Las Vegas erinnernden Stadt. Kein Quadratmeter dieser Welt ähnelt dem anderen. Alles wirkt jederzeit authentisch und ist gefüllt mit Leben. Dichter Verkehr in den Großstädten, ein riesiges Autobahnnetz, Industrieanlagen, Häfen, Stadien und alles, was man in einer Stadt oder einem Staat erwartet, findet man auch in San Andreas. Selbstverständlich darf man auch hier wieder nach Belieben alle verfügbaren Fahrzeuge von ihren Besitzern entwenden. Ob Fahrräder, Trucks, Golfwagen, Flugzeuge, Hubschrauber, Schnellboote, Panzer oder Polizeifahrzeuge. Letztere werden von den einheimischen Polizeibehörden allerdings nicht gern an Gangster verliehen, weshalb das besteigen eines Polizeifahrzeuges einen Großalarm auslöst und dafür sorgt, dass die Cops sich wie wild auf einen stürzen. Die Tatsache, dass man zivile Flughäfen zum Bereisen dieser Welt benutzen kann, macht deutlich, wie groß diese Welt ist. Statt mit dem Auto endlos über die Autobahnen zu düsen, geht man in einen Flughafen und bucht dort einen Flug. Diesen Flug erlebt man in Echtzeit inklusive Start und Landung.GangsteralltagDas Herz des Spiels bilden die über 100 Missionen, die der Protagonist erfüllen muss, um die Story voranzutreiben. Fast alles dreht sich dabei um krumme Geschäfte, Waffen, Drogen und leichte Mädchen. Anfangs scheint es, als wäre die Geschichte im Ghettoalltag angesiedelt. Doch dies ist nur ein Bestandteil. Wer mit all dem Hip Hop, den zu großen Hosen und der Homie-Mentalität nichts anfangen kann, darf aufatmen.

Nur der erste Teil des Spiels ähnelt in seiner Ausprägung Filmen wie “Boyz n the Hood”  oder “Colors”. Obwohl ein ausgewachsener Homie sich bewegt wie ein hüftkranker Pavian, gebührt hier den Entwicklern der vollste Respekt, denn alle Bewegungen wurden per Motion Capturing eingefangen und wirken flüssig und authentisch. Im späteren Verlauf geht es raus aufs Land, wo eine vollkommen andere Atmosphäre herrscht. Dort tragen die Cops Cowboyhüte, sie fahren Geländewagen und die Bewohner erinnern einen nicht selten an Hinterwäldler, die in ihren Autos meistens den Country-Sender mit schnulzigen Balladen eingeschaltet haben. In San Fiero und Las Venturas bekommt man es dann mit den Chinesen, den Russen, dem Geheimdienst und allerlei anderen dubiosen Gestalten zu tun.Dass man dabei auf ein gut sortiertes Repertoire an Waffen zurückgreifen kann, versteht sich von selbst. Ob mit der abgesägten Schrotflinte, den bloßen Händen, einem Messer oder einem Panzer, es gibt kaum eine Tötungsart, die man nicht ausüben könnte. Dass man Passanten und Gegner einfach mit dem Auto platt machen kann, ist schon lange Bestandteil des Serie. Das Einbetonieren eines Gegners samt mobilem Klo in einer Baugrube ist hingegen neu.

Die Missionen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Aufgabenstellung, sondern auch deutlich in ihrem Schwierigkeitsgrad. Mal muss man nur zu einem bestimmten Ort fahren, dort jemanden ausschalten und wieder zurückkehren. Mal muss man mitten in einer ausgewachsenen Schießerei auf jemanden Acht geben und ihn um jeden Preis beschützen, dann wieder in einer wilden Verfolgungsjagd der Polizei entkommen oder selbst jemanden jagen. Es gibt jedoch auch Missionen, die einen zur Verzweiflung treiben können. Wenn man mit ferngesteuerten Flugzeugen auf Gegner Jagd macht und dabei nicht nur gegen das verteufelt schwere Flugverhalten, sondern auch gegen den Treibstoffverbrauch und den Verkehr auf den Straßen und die Gegner ankämpfen muss, dann kommt man ins Schwitzen und verflucht das Spiel, wenn man es mal wieder nicht geschafft hat.Kommt man mit einer Mission mal nicht weiter, dann kann man sich zur Abwechslung an einer anderen versuchen. Die Wahl der Missionen bleibt einem meist selbst überlassen.Die Story bietet ein weites Spektrum des Gangsteralltags und sie ist gespickt mit überraschenden Wendungen und kuriosen Zwischensequenzen. Aus dem kleinen Gangster CJ wird nicht ein großer Gangsterboss. Er muss sich vielmehr stets gegen größere Gangster behaupten, Freunden aus der Patsche helfen und auf seine Schwester aufpassen. Insgesamt ist die Geschichte sehr gut gelungen, auch wenn einige der Wendungen teils arg aufgesetzt wirken, um bestimmte Missionen einzuleiten.

Skills

Wer keine Missionen spielen möchte, kann frei die Welt erkunden, jedenfalls die Teile, die bereits freigeschaltet sind, und sich um die Verbesserung seiner Fähigkeiten kümmern. Nahezu alles, was einem nützlich sein kann, darf man verbessern. Die Ausdauer beim Laufen oder Schwimmen. Den Umgang mit Waffen und Fahrzeugen, den Respekt, den andere Bandenmitglieder einem entgegenbringen. Auch den Sexappeal, der auf weibliche Bewohner wirkt und der nützlich ist, wenn man sich eine Freundin “zulegen” möchte. Steigt beispielsweise der Respekt bei der Gang, kann man mehrere seiner Kumpane auffordern einem zu folgen. Mit dieser tatkräftigen Unterstützung ist es wesentlich leichter, ein benachbartes Gebiet zu erobern.Die Erkundung von San Andreas offenbart ein weiteres Highlight dieses Spiels. Die unzähligen Aufgaben, die nichts mit dem eigentlichen Spielverlauf zu tun haben und die meist nur “einfach so” da sind, um sich die Zeit zu vertreiben. Ob man nun einen Krankenwagen stiehlt und damit verletzte Personen ins Krankenhaus befördert, ob man an Rennevents teilnimmt, um Preise einzusacken und sein fahrerisches Können zu verbessern, das Auffinden und Lösen dieser Aufgaben dauert fast so lange wie das eigentliche Spiel. Allein das Aufsprühen von einhundert Symbolen an diverse Häuser und Brücken dauert viele Stunden. Auch das Kaufen von Immobilien, die als Speicherpunkte dienen und teilweise auch monatlich Geld abwerfen kann sich lohnen, denn Geld benötigt man mehr als alles andere in San Andreas. Überfälle auf Drogenkuriere gehören ebenso zum Alltag wie das Verprügeln von harmlosen Passanten, um an ihr Geld zu kommen. Die verschiedenen Aufgaben sind so zahlreich, dass man sie oft nur durch Zufall findet.

Sound

Es fehlt nicht viel und man könnte die Sounduntermalung von Grand Theft Auto: San Andreas als Referenz betrachten. Eine jederzeit perfekte und glaubwürdige Synchronisierung und zehn Radiosender mit den verschiedensten Musikstilen vermitteln eine superbe Atmosphäre. Als Synchronsprecher für die zahlreichen Zwischensequenzen wurden unter anderem Filmstars wie James Woods, Peter Fonda und Samuel L. Jackson verpflichtet, die sich mächtig ins Zeug legen und ihren Figuren Leben einhauchen. Es war eine gute Entscheidung, die Sprachausgabe nicht ins Deutsche zu übersetzen, sondern alles im Original zu belassen und mit deutschen Untertiteln zu unterlegen. Den Ghetto-Slang kann man ohnehin nicht übersetzen, ohne dass es peinlich wirken würde. Wer keinen eigenen Soundtrack im Spiel benutzt, kann sich den Country-Sender zu Gemüte führen, Hip Hop Beats oder Call-In-Shows im Radio lauschen, die den Eindruck vermitteln, als würde man einem wirklichen Radioprogramm lauschen. Insgesamt ist die Auswahl an Musikstilen sehr ausgewogen und fast jeder Spieler wird seinen Lieblingssender finden. Etwas weniger gefallen manche der Waffensounds, die ein wenig schwach klingen.Blut und Gewalt Man sollte sich nichts vormachen. Grand Theft Auto: San Andreas ist eines der Spiele, die die Welt der Videospiele in Verruf gebracht haben. Es ist kein Wunder, dass dieses Spiel in einigen Ländern auf dem Index gelandet ist. Das Spiel ist in weiten Teilen extrem Brutal. Fast alles dreht sich um das Töten und Stehlen. Auch die Story ist nicht gerade geeignet, moralische Werte zu transportieren. CJ wird nicht von einem Gangster zum einem Engel, wenn das Spiel vorbei ist. Er ist ein mieser, kleiner Gangster, der von den Großen meistens herumgeschubst wird. Um sich Geltung und Geld zu verschaffen, tötet er einfach alles, was ihm vor die Flinte kommt. Er hat zwar eine große Klappe und beherrscht die gesamte Palette an unflätigen Ausdrücken, aber letztendlich zieht er immer den Kürzeren und muss tun, was ihm die Anderen auftragen. Ob die Polizei, die ihn für ihre eigenen Zwecke einspannt oder diverse Mafiagruppierungen, alle kommandieren ihn herum und er folgt. Wie ein Hündchen. Dieses Spiel gehört auf keinen Fall in Kinderhände. Im Grunde genommen gehört es auch nicht in die Hände von Jugendlichen, die daheim bei Mutti Gangster-Posen vor dem Spiegel üben und Gangster-Reime auswendig lernen, um sich als wahrer Rapper zu fühlen. Grand Theft Auto: San Andreas ist ein reines Erwachsenen-Spiel. Vollkommen unverständlich ist dabei, dass das Spiel bereits ab 16 Jahren freigegeben ist. Die kleinen Entschärfungen, die es in der deutschen Version gibt, sind kaum der Rede wert.

Fazit

Müsste man das Spiel in 99 Worten beschreiben, dann könnte man das folgendermaßen tun: Grand Theft Auto: San Andreas ist eines der Spiele, die man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. 30 bis 50 Stunden Spielzeit, eine grandiose Handlungsfreiheit in einer riesigen Spielwelt, gepaart mit grandioser Musik und einer packenden Story machen es zu einem der besten Spiele aller Zeiten. Andere Vertreter dieses Genres, die sich augenblicklich in der Entwicklung befinden, werden sich immer daran messen lassen müssen. Grand Theft Auto: San Andreas kann nur von einem Spiel Konkurrenz bekommen: von seinem Nachfolger. Für alle, die alt genug sind und sich nicht an der brutalen Thematik stören, ist dieses Spiel ein absoluter Pflichtkauf.

Xbox 360 – Die Ernüchterung

Viele Monate haben wir nun auf die neue Konsole gewartet.  Next Generation Gaming, nichts weniger erwartet man von der Xbox 360. Eine nie gesehene Grafik in HDTV-Auflösung, herausragende Multimedia-Fähigkeiten und eine nahtlose Anbindung an Xbox Live.  Der nächste Schritt eben. Nun, drei Tage nach dem Verkaufsstart macht sich Ernüchterung breit. Eigentlich kam die Ernüchterung bereits am ersten Tag, nachdem man einige Stunden lang die grandiosen Grafiken eines PGR3 bewundert hatte und aus dem Staunen nicht herauskam.  Doch irgendwann kehrt der Spielealltag ein und es ist, als würde man mit einem Kater nach einer durchzechten Nacht erwachen. Die Konsole ist nicht fertig.  Das kann man als Fazit nach den wenigen Tagen ziehen.  Es gibt viele Probleme. Manche sind klein und nervig, mache sind haarsträubend und ein guter Grund, das Gerät umgehend wieder zurückzugeben.

Punkt 1
Lärmbelästigung – Dass eine Konsole mit drei leistungsfähigen Prozessoren nicht flüsterleise sein würde, hat wohl niemand ernsthaft erwartet.  Die Lüfter sind auch nicht übermäßig laut.  Nicht wesentlich lauter als die der alten Xbox.  Was an der Xbox 360 laut ist, was an der Xbox 360 unfassbar laut ist, das ist das DVD-Laufwerk.  Legt man zum ersten Mal ein Spiel ein, sagen wir PGR3, dann erlebt man eine unangenehme Überraschung.  Das Laufwerk läuft immer, zu jedem Zeitpunkt, mit voller Geschwindigkeit und verursacht einen Radau, den man nicht ertragen kann und nicht ertragen will. Diese Konsole wird als Spielkonsole verkauft.  Das heißt, sie wird vornehmlich in Wohn-und Kinderzimmern zu finden sein.  Nicht im Stahlwerk und auch nicht auf der Rollbahn eines Flughafens, wo man ohnehin nichts hören kann. Es ist unbegreiflich, wie Microsoft eine solche Lärmquelle in den Handel bringen kann.  Es ist eine Frechheit und mit nichts zu entschuldigen.  Was auch immer die technischen Gründe dafür sein mögen, es sollte dem Käufer vollkommen egal sein.  Man darf und muss für den Preis von mehreren hundert Euro erwarten, dass man nicht gegen den Lärm anbrüllen muss.

Punkt 2
Sprachqualität – Die Sprachqualität des neuen Headsets ist schlicht gesagt mies.  Wenn man Glück hat und in einer Spielelobby eine Unterhaltung ohne tausendfaches Echo und Rückkopplungen führen kann, dann fällt einem sofort auf, dass die Qualität der übertragenen Sprache wesentlich schlechter ist als bei der alten Xbox.  Man hört fortwährend ein Hintergrundrauschen und kleine Störgeräusche.  Traurig und auch peinlich für Microsoft ist, dass man mit dem alten Headset keinerlei Rückkopplungen und Echos verursacht. Oft hält man beim Spielen einfach die Schnauze, weil man befürchtet, sich permanent selbst zu hören und Echos und Rückkopplungen zu verursachen.  Eine wesentliche Komponente der Xbox, das Online-Spiel mit Freunden, wird dadurch torpediert und zunichte gemacht. Punkt 3: AbstürzeIm Vorfeld tauchten Berichte über, angeblich häufige, Abstürze auf.  Microsoft gab schnell bekannt, dass in den meisten Fällen diese Abstürze der Konsole durch unsachgemäßes Verdecken der Lüftung und des Netzteils verursacht wurden.  Ansonsten sein alles im grünen Bereich und kein Grund zur Sorge.  Zudem sei die Fehlerquote im Rahmen der Toleranzen. Nun, es gibt diese Abstürze.  Es gibt sie und sie werden nicht durch Hitze und unsachgemäße Lagerung der Xbox 360 verursacht.  Sie werden, wie es den Anschein hat, in den meisten Fällen durch das neue Dashboard verursacht.  Bei der Xbox 360 kann man die Freundesliste immer und überall aufrufen.  Während des Spiels, während eines Chats und auch während der Ladepausen von Spielen.  Genau dies sollte man sich aber verkneifen. Mir persönlich ist die Xbox bereits drei Mal eingefroren. Viele Spieler aus meiner Freundesliste haben das Problem.  Einige verschwinden aber auch so plötzlich mitten im Spiel, weil die Konsole alle Viere von sich gestreckt hat.  Ohne erkennbaren Grund.

Fazit
So schön und beeindruckend die Leistung der Xbox 360 auch sein mag, man merkt an vielen großen und kleinen Details, dass sie zu früh auf den Markt geworfen wurde.  Eine Spielkonsole, die jederzeit abstürzen kann und die im Wohnzimmer einen unerträglichen Lärm verursacht, hat auf dem Markt nichts zu suchen.  Ich bin gern bereit, mehrere hundert Euro dafür auszugeben, aber dann erwarte ich auch gefälligst, dass ich ein gewisses Maß an Qualität bekomme und mir das Spielen nicht vermiest wird.  Die Gründe für das offensichtliche Versagen des Hersteller sind mir ehrlich gesagt vollkommen egal. In zahlreichen Foren häufen sich die Berichte über all diese und weitere Probleme.  Der Support bei Microsoft scheint vollkommen überlastet zu sein und bei eBay findet man unzählige Konsolen von enttäuschten und genervten Erstkäufern. Für mich persönlich ist dieser frühe Start gründlich in die Hose gegangen

Halo 2 – Online Experience

Es nimmt kein Ende, aber Halo 2 ist nun mal in diesen Tagen ein Thema, dem man nicht entkommen kann. Das Spiel besteht bekanntlich nicht nur aus einem Einzelspielermodus, sondern kann auch per Xbox Live gespielt werden. Im Vorfeld der Veröffentlichung wurden diverse Details bekannt. Zum Beispiel, dass ein äußerst umfangreicher Beta Test stattgefunden hat und auch dass das Spiel über sehr viele Spielmodi verfügt, die für eine lange Motivation sorgen sollen.

In den vergangenen Tagen hatten bereits unzählige Spieler die Gelegenheit, das Spiel ausgiebig zu genießen.

Gute Seiten

Das Spiel läuft sehr gut. Punkt. Zwar gibt es hin und wieder die bekannten Sprachaussetzer. Manchmal, sehr selten, stockt die Verbindung und alle Spieler müssen eine unfreiwillige Pause einlegen. Während dieser Pause kann man sich mit allen Spielern unterhalten und kurze Zeit später geht das Spiel nahtlos weiter. Diese Kleinigkeiten sind allerdings nicht weiter frustrierend. Das allgemeine Spielgefühl ist sehr gut. Und wenn man bedenkt, wie groß der Ansturm auf Halo ist, wird man mit diesen Fehlerchen gut durch die nächsten Wochen kommen. Irgendwann wird sicher auch der Hype rund um Halo 2 nachlassen.

Eine weitere tadellose Leistung besteht darin, dass für das Spiel offensichtlich eigene Server von Bungie eingesetzt werden. Bei solchen Alleingängen ist man seit dem Fiasko von Burnout 3 sehr skeptisch, aber wie man sieht, gibt es Hersteller, die das ohne Probleme über die Bühne bringen können.

Die Auswahl, was und wie man denn nun spielen möchte, ist sehr groß. Ob einer gegen den Rest, Team gegen Team, alles wird geboten.

Eine sehr gute und begrüßenswerte Neuerung gibt es hinsichtlich einer Spielelobby. Eine solche Lobby ist nicht an einen Spieler gebunden. Wenn Spieler X ein Spiel eröffnet, ist er zunächst der Herr über die Einstellungen. Verlässt er das Spiel aber, kann er seine Befugnisse einfach an einen anwesenden Spieler abtreten und so können alle anderen weiterspielen. An dieser Umsetzung sollten sich die Hersteller in Zukunft ein Bespiel nehmen.

Wählt der Host eine neue Karte aus, wird sie unauffällig im Hintergrund geladen und steht nach dem Spielstart umgehend zur Verfügung. In der Zwischenzeit können die anderen Spieler bequem und schnell Teams wechseln, in Freundeslisten stöbern und allerlei anderen Schabernack treiben.

Eine weitere Neuerung ist, dass man zusammen mit anwesenden Spielern auf einen anderen Server wechseln kann. So kann man sich als Gruppe von Spiel zu Spiel ballern und dabei auf immer neue Gegner treffen.

Schlechte Seiten

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Nicht so sehr auf der technischen Seite, vielmehr bei der Bedienung. Bei der Bedienlogik allgemein.

Noch nie sah man so viele ratlose Menschen auf einem Fleck. Dabei führen meistens die Einäugigen die Blinden. Niemand weiß mit Bestimmtheit, wie etwas wirklich funktioniert, aber man ist ja hilfsbereit und teilt sein frisch auf einem anderen Server erworbenes Wissen mit den anderen Spielern. Dass dabei aber auch viele Halbwahrheiten vermittelt werden, lässt sich nicht vermeiden.

Die Wurzel allen Übels liegt darin, dass viele Aspekte des Spiels sehr kompliziert sind. Jeder kennt die Funktion “Optimatch”. Ruft man sie in einem beliebigen anderen Spiel auf, kann man sich eine Liste aller verfügbaren Spiele auf den Bildschirm holen, die man meistens um weitere Kriterien erweitern kann, bis man zur gewünschten Spielvariante stößt. In einem Rennspiel kann man so alle deutschen Servern herausfiltern oder alle, die eine bestimmte Strecke anbieten.

Nicht so bei Halo 2.

Diese Option wirft zwar den Spieler, wenn er denn Glück hat, in ein Spiel. Die Entscheidung, wo er letztlich landet, wird aber durch Automatismen gesteuert, die man schlich nicht durchschaut. Man kann nichts beeinflussen.

Schuld daran trägt die spärliche Informationspolitik von Microsoft und Bungie. Das Handbuch schweigt sich weitgehend zu den Fragen aus, die die Spieler bewegen. Es ist so, dass lieb gewonnene Gewohnheiten bei der Bedienung all dieser Funktionen hier nicht mehr funktionieren. So gibt es diverse Gruppenfunktionen, Clanfunktionen und auch, ziemlich versteckt, die Möglichkeit einen Server nur für Freunde zu öffnen. Doch all das erschließt sich nicht intuitiv und muss erst herausgefunden werden.
Auch die Frage wie und wann ein Spieler einen höheren Rang durch gewonnene Spiele erhält, ist noch immer ungeklärt.

Das sehr gut gemachte und auf den ersten Blick übersichtliche Menü mit all seinen Funktionen gerät so zur Falle, die einen zwingt, sein Hirn mehr zu beanspruchen als man das gewohnt ist…

Bungie.net

Nun ist es nicht so, dass man ganz allein gelassen wird. Es gibt da noch Bungie.net. Die Zentrale aller Halo-Aktivitäten.
ABER, liebe Entwickler, ich will nicht meinen Rechner anwerfen und stundenlang Seiten im Web blättern.

Die meisten Fragen, die man hat, werden auf Bungie.net beantwortet. Nur, will das wirklich jemand? Selbst die Statistiken zu jedem Spieler sind nur über den Webbrowser einzusehen. Das bedeutet, dass man sehr lange Texte in englisch lesen muss, auf Webseiten, die die hellblaue Schrift auf dunkelblauem Untergrund darstellen. Und all das, um im Ansatz zu verstehen, was man wie machen muss.
Bleibt die Frage, warum das so kompliziert sein muss und warum Microsoft davon ausgeht, dass jeder Spieler die englische Sprache so gut versteht, dass er einen Nutzen aus den Seiten von Bungie.net zieht.

Wer des englischen nicht mächtig ist, muss sein Heil in den zahlreichen deutschen Foren suchen und hoffen, dass alles was dort steht, auch der Wahrheit entspricht.

Fazit

Nett gemeint, aber schlecht umgesetzt. Die vielfältigen Funktionen mögen sich den Entwicklern erschließen, die seit Jahren daran arbeiten. Ein durchschnittlich intelligenter Spieler ist schnell überfordert. Zum Glück kann man auch abseits aller Schwierigkeiten ein ganz normales Spiel eröffnen und sich während der Spielpausen gegenseitig fragen wie denn dies und jenes nun wirklich funktionieren könnte. Das erhöht immerhin die Kommunikation untereinander.

Ich hab keine Lust, Bungie.net zu durchforsten…
Sachdienliche Hinweise nimmt die Redaktion gern entgegen.

Aus dem Leben eines Halo-Käufers

Schaut man seit dem letzten Wochenende in diverse Foren, entdeckt man immer mehr glückliche Besitzer von Halo 2. Selbst wenn man sich dem Trubel entziehen wollte, es geht nicht. Allerorten hört man nur Halo, Halo, Halo. Will man in den nächsten Tagen und Wochen nicht allein spielen, weil alle Freunde und Bekannte bei Halo rumhängen, muss man sich das Spiel also kaufen. Wäre da nicht diese unsägliche Beschränkung von Microsoft, dass das Spiel erst ab dem 11.11 verkauft werden darf. Wie zum Teufel kommen dann all diese Leute an das Spiel heran.

Also auf zum Selbstversuch. Verdammt noch mal, man wird das Spiel doch auch schon vorher auftreiben können. Mit allen anderen ging es ja auch.

Akt 1

Anruf bei einem bundesweiten Versender, der einige Strassen weiter seine Zentrale hat.

Käufer: Hallo, ich würde Halo 2 gern heute schon haben

Verkäufer (amüsiert): Nee, das gibt es doch erst am 11.11. Vorher darf ich das nicht verkaufen

Käufer (lügt): Ja, aber ich bin nur noch heute in der Stadt und am 11.11 bin ich in Hamburg. Dann kaufe ich es da und ihr habt ein Spiel weniger an den Man gebracht.

Verkäufer (mitleidig): Ja, das ist Pech, aber wir dürfen das nicht. Wir mussten da etwas unterschreiben und wenn wir dagegen verstoßen, müssen wir eine fünfstellige Summe als Strafe bezahlen.

Käufer (lügt diesmal nicht): Aber im Internet finden sich so viele Beiträge, dass das schon von diversen Geschäften verkauft wird.

Verkäufer (leicht panisch): Wirklich!?! Moment, da muss ich mal nachfragen.
Käufer (grinst und wähnt sich am Ziel): Ok, ich warte

Verkäufer: Sorry, wir können das nicht machen. Das ist uns zu gefährlich.

Verdammt, die sind hartnäckig.

Microsoft: 1 Käufer: 0

Euch krieg ich noch

Akt 2
Eine große Filiale einer noch größeren Elektrokette wird aufgesucht

Käufer blickt ins Regal. Nichts zu sehen von Halo 2. Wenige Meter weiter steht eine freundlich aussehende Verkäuferin. Die schnapp ich mir.

Käufer: Hallo, ich hätte gern einmal Halo 2 zum Mitnehmen.

Verkäuferin: Tut mir leid, wir dürfen noch nicht.

Käufer (lügt, dass sich die Balken biegen): Aber so viele Geschäfte verkaufen das schon. Zum Beispiel dieser Versender (der aus Akt 1), aber den mag ich nicht und deshalb wollte ich das Spiel hier kaufen.

Verkäuferin (etwas verzweifelt): Was, wirklich? Andere verkaufen das schon? Dann muss ich mich schlau machen. Wir dürfen das laut Zentrale nicht. Sonst wird es teuer. Aber wenn die das machen, dann werden wir das heute auch machen, weil wir sonst einen Nachteil haben.

Käufer (sieht seine Chance und stichelt gegen die Verräter): Ja, ja, kein Schwein schert sich um die Beschränkungen. Warum sollt ihr darunter leiden.

Verkäuferin: Stimmt, aber ich muss erst mal überall nachfragen. Das kann bis heute Abend dauern. Und wenn ich Dir das mitgebe, dann läuft es durch die Kasse und die Zentrale kriegt es mit und dann bricht die Hölle hier los. Sorry!

Wieder ein Fehlschlag

Microsoft: 2 Käufer: 0

Akt 3

Eine nicht ganz so große Filiale einer nicht ganz so großen Elektrokette wird aufgesucht

Käufer blickt wieder ins Regal. Nichts zu sehen von Halo 2. Ein freundlich aussehender junger Mann steht am Info-Schalter. Er heißt Ali und grüßt nett. Jetzt oder nie!

Käufer: Haben Sie das Spiel Halo 2 hier schon irgendwo?

Verkäufer: Moment, ich seh´ im Computer nach. Ist das Playstation?

Käufer (wittert schon den Sieg): Äh, nö. Ist Xbox

Verkäufer (tippt und sucht und tippt und sucht): Ach, hier ist es. Ja, wir haben 30 Stück. Sind die nicht im Regal?

Käufer (ahnungslos): Nee, konnte ich nicht finden.

Verkäufer: Moment, ich hol eines aus dem Lager.

Käufer (verbirgt seine zitternden Hände unter dem Tresen und verkneift sich ein Grinsen): Ok, ich warte. Danke.

Der Verkäufer geht ins Lager und kommt einige Minuten später wieder. Der Käufer schlendert ihm scheinbar gelangweilt entgegen und tut so, als würde er sich die aufgebauten Ghetto-Blaster ansehen. Jetzt kann nur noch eins passieren: Ein Kollege, der besser informiert ist, sieht das Spiel und erinnert sich an das Verkaufsverbot vor dem 11.11.

Also auf zum Angriff und geh Ali entgegen. Lenk ihn von den anderen ab.

Verkäufer: So, hier ist es. Ich weiß aber gar nicht, was das kostet. Soll ich mal nachsehen?

Käufer (denk sich “NEIN!”): Ach, nö, dieses Zeug kostet eh immer dasselbe. Danke und schönen Tag.
Kurz darauf die Karte gezückt und raus aus dem Laden. Mit dem Gefühl, als hätte man das Spiel geklaut.
BINGO. DANKE ALI

Die Moral von der Geschicht: Die dümmsten Auflagen bringen nichts, wenn nicht alle Verkäufer darüber informiert sind.